Auffangpunkt, Anschlagpunkt und Sekurant bezeichnen alle Befestigungen für die Absturzsicherung, stehen aber für leicht unterschiedliche Dinge. Auffang- und Anschlagpunkte sind technische Vorrichtungen zum Einhängen der persönlichen Schutzausrüstung, während Sekuranten meist fest montierte Einzelanschlagpunkte auf Dächern sind. Entscheidend ist, dass jede Lösung normgerecht ausgelegt, regelmäßig geprüft und passend zu Gurt, Seil und Falldämpfer verwendet wird.
Ein Auffangpunkt ist die Stelle, an der ein Auffangsystem die auftretenden Kräfte beim Sturz in die Struktur ableitet. Er gehört damit zum Auffangsystem, das einen Fall stoppt und die Person hält. Diese Punkte müssen tragfähig dimensioniert, fachgerecht installiert und nach den einschlägigen Normen geprüft sein, etwa für Dach- oder Fassadenarbeiten.
Ein Anschlagpunkt ist die Verbindung zwischen Gebäude oder Tragkonstruktion und der persönlichen Schutzausrüstung. Hier wird das Verbindungsmittel mit Karabiner, Seil oder Höhensicherungsgerät befestigt. Anschlagpunkte können als einzelne Öse, Schiene oder System ausgeführt sein und dienen als Bindeglied zwischen Oberfläche und Sicherungsausrüstung.
Der Begriff Sekurant wird im deutschsprachigen Raum überwiegend für fest installierte Einzelanschlagpunkte auf Dächern verwendet. Diese Bauteile bilden definierte Anschlagstellen, oft mit Kennzeichnung, Typenschild und Angabe der maximalen Personenzahl. Sie sind Teil eines Dach-Sicherheitskonzepts, zu dem auch Seilsysteme, Leitern und Laufwege gehören können.
Unterschiede in Funktion und Einsatzbereich
Auffangpunkte stehen stärker für die Aufgabe, einen Absturz zu stoppen und die Person sicher zu halten. Anschlagpunkte beschreiben stärker die technische Schnittstelle, an der sich das Verbindungsmittel einhängt. Sekuranten sind in der Praxis meist spezielle Dachanschlagpunkte, die dauerhaft montiert sind und eine klar definierte Nutzung haben.
In vielen Dokumenten werden die Begriffe Auffangpunkt und Anschlagpunkt nahezu synonym eingesetzt, rechtlich maßgeblich ist jedoch die Beschreibung in Normen, Anleitungen und Gefährdungsbeurteilung. Auf Plänen und Kennzeichnungen tauchen häufig Bezeichnungen wie „Einzelanschlagpunkt“, „Sekurant“ oder „Anschlagöse“ auf, die alle auf eine Anschlagstelle für persönliche Schutzausrüstung hinweisen.
Worauf bei der Nutzung zu achten ist
Vor der Nutzung einer Anschlagstelle sollte immer geprüft werden, ob sie zugelassen, gekennzeichnet und für Personenanschlag freigegeben ist. Das Typenschild nennt in der Regel Hersteller, Norm, Baujahr, zulässige Personenzahl und ggf. Prüffristen. Nur Schutzausrüstung mit passender Norm und geeignetem Verbindungsmittel darf daran verwendet werden.
Eine sinnvolle Reihenfolge lautet: Kennzeichnung prüfen, Freigabe für Personenanschlag bestätigen, Zustand und Befestigung sichten, passende PSA auswählen, sachgerecht einhängen und Sicherung vor Betreten des Gefahrenbereichs spannen. Bei Zweifeln zur Tragfähigkeit oder fehlender Dokumentation darf der Punkt nicht verwendet werden, bis eine fachkundige Stelle die Eignung bestätigt hat.
Typische Missverständnisse
Häufig wird angenommen, jede stabile Öse oder jeder Haken sei automatisch ein sicherer Anschlagpunkt für Personen. Viele Bauteile sind jedoch nur für Lasten oder Wartungszwecke ausgelegt und nicht für Absturzsicherung zugelassen. Auch Sekuranten für Dacharbeiten sind nicht automatisch für andere Einsatzarten freigegeben, etwa für Industriekletterei oder horizontale Seilsysteme außerhalb des vorgesehenen Bereichs.
Ebenso wichtig ist die Unterscheidung zwischen Haltesystemen, die ein Hineingeraten in den Absturzbereich verhindern sollen, und Auffangsystemen, die einen bereits eingetretenen Sturz stoppen. Anschlagstelle, Gurt, Seil und Falldämpfer müssen immer aufeinander abgestimmt sein und zur jeweiligen Schutzart passen.
FAQ: Auffangpunkte, Anschlagpunkte und Sekuranten
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen Auffangpunkt, Anschlagpunkt und Sekuranten?
Ein Auffangpunkt ist Teil eines Auffangsystems, das einen Absturz stoppt. Ein Anschlagpunkt ist die Stelle, an der sich persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verbindet. Sekuranten sind baulich installierte Anschlageinrichtungen auf dem Dach, meist als Einzelanschlagpunkte oder als System.
Wann reicht ein einzelner Anschlagpunkt auf dem Dach aus?
Ein einzelner Anschlagpunkt genügt nur, wenn der Arbeitsbereich klein ist und keine seitlichen Bereiche oder Dachkanten erreicht werden müssen. Für Wartungsgänge, große Flächen oder mehrere Anlagenteile sind oft Seilsysteme oder mehrere Sekuranten notwendig. Die Gefährdungsbeurteilung entscheidet über die ausreichende Anzahl.
Wie erkenne ich, ob meine Sekuranten normgerecht sind?
Zugelassene Sekuranten besitzen eine Kennzeichnung mit Hersteller, Baujahr, Norm (z. B. DIN EN 795) und maximaler Personenzahl. Zusätzlich müssen Prüfprotokolle und Montageunterlagen vorliegen. Ohne diese Nachweise sollte die Nutzung aus Sicherheitsgründen unterbleiben.
Dürfen mehrere Personen gleichzeitig an einem Anschlagpunkt gesichert werden?
Die maximal zulässige Personenzahl ist auf dem Bauteil oder im Datenblatt vermerkt. Viele Anschlagpunkte sind nur für eine Person zugelassen, einige Systeme für zwei oder mehr Personen. Werden die Angaben des Herstellers überschritten, besteht Absturz- und Haftungsgefahr.
Was muss bei der Montage eines Anschlagpunktes beachtet werden?
Die Montage muss immer durch fachkundige Personen nach Herstellervorgaben erfolgen. Tragfähigkeit des Untergrunds, Befestigungsmittel, Abstände zu Kanten und Wärmedämmung sind sorgfältig zu planen. Eine dokumentierte Abnahme mit Lastversuch oder entsprechender Berechnung ist unerlässlich.
Wie oft müssen Sekuranten und Anschlagpunkte geprüft werden?
In der Regel ist mindestens einmal jährlich eine Prüfung durch eine befähigte Person erforderlich. Zusätzlich sind Prüfungen nach einem Sturz, nach Umbauten oder sichtbaren Beschädigungen durchzuführen. Die Ergebnisse müssen schriftlich dokumentiert werden.
Welche Rolle spielt die Gefährdungsbeurteilung bei der Auswahl von Auffang- und Anschlagpunkten?
Die Gefährdungsbeurteilung definiert, ob ein Rückhaltesystem ausreicht oder ein Auffangsystem nötig ist, und wo Anschlagpunkte platziert werden. Sie berücksichtigt Dachform, Absturzhöhen, Wegeführung und Rettungsmöglichkeiten. Ohne saubere Beurteilung lassen sich rechtsichere und wirksame Lösungen nicht planen.
Wie lässt sich eine sichere Rettung nach einem Absturz sicherstellen?
Zu jedem Auffangsystem gehört ein Rettungskonzept, das auf dem spezifischen Gebäude basiert. Rettungsgeräte, Zugangspunkte und geschulte Einsatzkräfte müssen im Vorfeld festgelegt werden. Regelmäßige Übungen stellen sicher, dass im Ernstfall schnell gehandelt wird.
Was ist bei der Dokumentation für Betreiber wichtig?
Betreiber sollten Montageanleitungen, statische Nachweise, Abnahmeprotokolle, Prüfberichte und Nutzungsanweisungen sammeln und archivieren. Eine verständliche Kennzeichnung auf dem Dach und ein Plan der Anschlagpunkte erleichtern Wartung und sichere Nutzung. Saubere Dokumentation stärkt zudem die Rechtssicherheit im Schadensfall.
Warum ist fachliche Beratung beim Thema Sekuranten so wichtig?
Gerade bei komplexen Dächern, energetischer Sanierung oder gemischter Nutzung von Dachflächen sind Standardlösungen selten ausreichend. Fachplaner und zertifizierte Montagebetriebe können Risiken bewerten und passende Systeme für Auffangpunkte und Anschlagpunkte entwickeln. Das erhöht die Sicherheit für alle Personen auf dem Dach und reduziert spätere Nachrüstkosten.
Fazit
Auffangpunkte, Anschlagpunkte und Sekuranten wirken nur dann zuverlässig, wenn Planung, Montage, Nutzung und Prüfung zusammenpassen. Klare Verantwortlichkeiten, saubere Dokumentation und regelmäßige Unterweisungen sind dabei ebenso wichtig wie die Auswahl geprüfter Produkte. Wer diese Punkte beachtet, schafft dauerhaft sichere Arbeitsplätze in der Höhe und erfüllt zugleich die rechtlichen Anforderungen.