Ein Refuge Point im Gebäude kennzeichnet einen gesicherten Sammel- oder Wartebereich für Menschen, die im Brand- oder Notfall nicht über Treppen fliehen können. Das Schild markiert also keinen allgemeinen Ausgang, sondern einen Schutzort, an dem Rettungskräfte betroffene Personen gezielt finden und übernehmen.
Typischerweise richtet sich die Kennzeichnung an Personen mit eingeschränkter Mobilität, an Rollstuhlnutzer und an Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen kein Treppenhaus nutzen können. Der Bereich ist baulich geschützt, hat in der Regel eine Notrufmöglichkeit und liegt oft in der Nähe von Treppenräumen oder Aufzugsvorräumen.
Bedeutung des Refuge-Point-Schildes
Das Schild verweist auf einen sicheren Aufenthaltsort innerhalb des Gebäudes während einer Evakuierung. Dort sollen sich alle sammeln, die nicht selbstständig ins Freie gelangen können, bis die Feuerwehr oder andere Einsatzkräfte sie herausbegleiten.
Das Piktogramm zeigt meist eine stilisierte Person im Rollstuhl oder mehrere Personen in einem markierten Feld, häufig in Kombination mit Richtungspfeilen. Im Unterschied zu Fluchtweg- oder Notausgangsschildern beschreibt diese Kennzeichnung kein Ziel außerhalb des Gebäudes, sondern einen abgeschirmten Innenbereich.
Wo Refuge Points im Gebäude vorkommen
Solche Bereiche finden sich vor allem in größeren oder mehrgeschossigen Gebäuden, etwa in Büro- und Verwaltungsbauten, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Einkaufszentren oder Bildungseinrichtungen. Auch moderne Wohnanlagen mit Aufzugsanlagen und barrierearmen Konzepten nutzen diese Markierung.
Der Wartebereich liegt meist an einem rauchgeschützten Treppenraum, in einem feuerbeständigen Vorraum oder auf einem sicheren Podest, das mit Brandschutztüren von gefährdeten Zonen getrennt ist. Häufig ist dort eine Gegensprechanlage, ein Notrufknopf oder eine andere Kommunikationsmöglichkeit installiert.
Wie man sich im Notfall am Refuge Point verhält
Wer wegen Mobilität oder Gesundheit nicht über Treppen fliehen kann, sollte dem Richtungspfeil zum nächsten Schutzbereich folgen und sich dort aufhalten. Anschließend ist es wichtig, die Notrufeinrichtung zu betätigen oder sich bei Mitmenschen bemerkbar zu machen, damit Einsatzkräfte informiert werden.
Wenn möglich, sollte die Tür zum Flur geschlossen werden, um Rauch fernzuhalten. Personen, die andere begleiten, sollten die ruhige, aber zügige Verlegung in den markierten Bereich unterstützen und dann selbst den gekennzeichneten Fluchtwegen nach draußen folgen, sofern das gefahrlos möglich ist.
Typische Praxisbeispiele
Praxisbeispiel 1: In einem Bürohochhaus fällt bei einem Alarm der Aufzug aus. Eine Rollstuhlnutzerin folgt den grünen Pfeilen zum gekennzeichneten Wartebereich am Treppenhaus, meldet sich über die Notrufsprechstelle und wartet dort, bis die Feuerwehr sie abholt.
Praxisbeispiel 2: In einem Einkaufszentrum mit mehreren Etagen begleiten Beschäftigte einen gehbehinderten Kunden in den beschilderten Schutzbereich an einem Treppenvorraum, schließen die Tür zum Verkaufsraum und melden den Aufenthaltsort an den zentralen Leitstand.
Praxisbeispiel 3: In einer Schule nutzt eine Lehrkraft den gekennzeichneten Sammelbereich für einen Schüler mit Rollstuhl, während die übrige Klasse über das Treppenhaus ins Freie geht und der Sammelpunkt der Feuerwehr mitgeteilt wird.
Empfohlene Schritte bei Sichtung des Schildes
Im Alltag hilft es, sich den Standort dieser Schutzbereiche einzuprägen, insbesondere wenn man selbst oder Kolleginnen und Kollegen eingeschränkt mobil sind. Bei einer Begehung des Gebäudes sollte geprüft werden, ob die Wege zu diesen Bereichen frei sind und die Beschilderung klar lesbar ist.
Im Notfall lohnt sich folgende Reihenfolge: zunächst prüfen, ob Treppensteigen möglich und sicher ist, dann gegebenenfalls den beschilderten Schutzbereich aufsuchen, anschließend die Kommunikationseinrichtung nutzen oder Hilfe ansprechbarer Personen einfordern und danach im geschützten Bereich bleiben, bis Einsatzkräfte eine Evakuierung durchführen.
Häufige Fragen zum Refuge Point im Gebäude
Wer darf einen Refuge Point im Gebäude nutzen?
Vorrangig nutzen Personen mit eingeschränkter Mobilität, ältere Menschen, Schwangere oder Verletzte diesen gesicherten Bereich. Begleitpersonen, Mitarbeitende oder Einsatzkräfte können sich vorübergehend dazusetzen, wenn das für die Rettung notwendig ist.
Ist ein Refuge Point ein sicherer Aufenthaltsort bei jedem Notfall?
Dieser Bereich ist als temporärer Schutz- und Sammelpunkt konzipiert, bis Feuerwehr oder interne Evakuierungshelfer eintreffen. Er ersetzt keinen vollwertigen Fluchtweg, reduziert aber das Risiko für Menschen, die nicht sofort über Treppen fliehen können.
Wie lange darf man an einem Refuge Point im Gebäude bleiben?
Der Aufenthalt sollte nur so lange dauern, bis Rettungskräfte oder Evakuierungshelfer eine weitere Verlegung ermöglichen. Deshalb ist es wichtig, über die vorhandenen Kommunikationsmittel oder telefonisch schnell auf sich aufmerksam zu machen.
Welche Ausstattung muss ein Refuge Point haben?
Typisch sind eine feuerbeständige Abtrennung, klare Beschilderung, eine Ruf- oder Gegensprechanlage und ausreichend Platz für Rollstühle. In modernen Gebäuden kommen oft Notbeleuchtung, Kennzeichnung auf Flucht- und Rettungsplänen und teilweise Videoaufschaltung hinzu.
Wie erkenne ich den Weg zu einem Refuge Point im Gebäude?
Auf Flucht- und Rettungsplänen sind diese Bereiche mit einem eigenen Symbol oder Text markiert, meist nahe Treppenräumen oder Aufzugsvorräumen. Achte auf entsprechende Pfeile und Beschilderungen, die von den Hauptwegen aus dorthin führen.
Darf man Aufzüge benutzen, wenn ein Refuge Point in der Nähe ist?
Normale Personenaufzüge bleiben im Brandfall in der Regel tabu, auch wenn sich der geschützte Bereich im Aufzugsvorraum befindet. Nur ausdrücklich als Feuerwehraufzug oder Evakuierungsaufzug ausgewiesene Anlagen dürfen nach Freigabe durch Einsatzkräfte genutzt werden.
Gibt es eine Pflicht, Refuge Points im Gebäude vorzusehen?
In vielen Ländern fordern Bauordnungen, Sonderbauverordnungen und Barrierefreiheitsnormen solche Bereiche, vor allem in größeren oder mehrgeschossigen Gebäuden. Die genaue Pflicht hängt von Nutzung, Größe, Personenanzahl und nationalen Vorschriften ab und wird oft in Brandschutzkonzepten festgelegt.
Wer ist für die Sicherheit am Refuge Point verantwortlich?
Die Verantwortung liegt beim Gebäudeeigentümer oder Betreiber, der Planung, Ausstattung und Wartung sicherstellen muss. Zusätzlich tragen Brandschutzbeauftragte, Sicherheitsdienst und geschulte Evakuierungshelfer zur praktischen Umsetzung im Alltag bei.
Wie sollte ich Mitarbeitende über Refuge Points informieren?
Geeignet sind kurze Unterweisungen, die Einbindung in Brandschutz- und Evakuierungsübungen sowie klare Informationen in Sicherheitsbroschüren. Wichtig sind wiederkehrende Trainings, damit auch neue Teammitglieder im Ernstfall sicher handeln können.
Was mache ich, wenn der Refuge Point überfüllt ist?
In diesem Fall bleibt man im gesicherten Umfeld des Treppenraums, hält Türen geschlossen und meldet die Situation umgehend über Notruf oder Hauskommunikation. Jede zusätzliche Bewegung durch verrauchte Bereiche erhöht das Risiko und sollte nur nach Anweisung von Einsatzkräften erfolgen.
Wie reagieren Einsatzkräfte auf gemeldete Personen am Refuge Point?
Feuerwehr und Rettungsdienste prüfen schon bei der Einsatzplanung, wo diese Bereiche liegen und wie sie erreicht werden. Vor Ort stimmen sie Evakuierung und Brandbekämpfung so ab, dass gefährdete Personen vorrangig aus den Schutzbereichen gerettet werden.
Fazit
Refuge Points sind ein zentrales Element des vorbeugenden Brandschutzes, weil sie Menschen mit eingeschränkter Mobilität im Notfall einen vorübergehend sicheren Rückzugsort bieten. Betreiber und Eigentümer müssen Planung, Kennzeichnung und Wartung verantworten und das Personal regelmäßig schulen. Klare Abläufe, realistische Übungen und die enge Abstimmung mit den Einsatzkräften stellen sicher, dass diese Schutzbereiche im Ernstfall zuverlässig funktionieren.
Welche Frage stellt sich euch bei diesem Thema zuerst? Schreibt sie gern dazu, damit die Diskussion konkreter wird.