Die Angabe 24/23 kg bedeutet üblicherweise: Die Längssaiten werden mit 24 kg und die Quersaiten mit 23 kg Referenzspannung eingezogen. Die Differenz von einem Kilogramm kann das Saitenbett etwas weniger starr wirken lassen und berücksichtigt, dass Längs- und Quersaiten im Schläger unterschiedliche Aufgaben, Längen und Reibungsverhältnisse haben. Sie ist aber keine allgemeingültige Vorgabe für jeden Schläger und jede Saite.
Was die Schreibweise 24/23 kg bezeichnet
Bei Bespannungsangaben steht der erste Wert in der Regel für die Längssaiten, international oft als mains bezeichnet. Der zweite Wert gehört zu den Quersaiten, den crosses. Somit lautet die übliche Lesart:
- 24 kg Referenzspannung auf den Längssaiten
- 23 kg Referenzspannung auf den Quersaiten
Das Wort Referenzspannung ist wichtig. Die Bespannmaschine zieht jede Saite mit dem eingestellten Wert, doch die später im Schläger messbare Spannung entspricht nicht einfach überall exakt 24 beziehungsweise 23 kg. Reibung an den Ösen und an den Kreuzungspunkten, das Abklemmen, die Bespanntechnik sowie der Spannungsverlust der Saite beeinflussen das fertige Ergebnis.
Weil Werkstätten und Besaiter ihre Angaben unterschiedlich notieren können, sollte auf einem Bespannungsauftrag ausdrücklich „Längssaiten 24 kg, Quersaiten 23 kg“ stehen. So lässt sich eine vertauschte Interpretation vermeiden.
Warum die Quersaiten häufig niedriger eingestellt werden
Die Quersaiten werden beim Einziehen durch bereits gespannte Längssaiten gewebt. An jedem Kreuzungspunkt entsteht Reibung. Gleichzeitig verbinden die Quersaiten die Längssaiten zu einem gemeinsamen Saitenbett und erhöhen dessen Widerstand gegen Verformung. Eine etwas niedrigere Einstellung kann diesen zusätzlichen Versteifungseffekt begrenzen.
Bei 24/23 kg beträgt der Abstand rund 4,2 Prozent bezogen auf die 24 kg der Längssaiten. Das ist eine kleine Abstufung und keine völlig andere Bespannung. Je nach Saitentyp, Schlägerkopf, Bespannbild und Spielweise kann sie folgende Tendenzen haben:
- Das Saitenbett fühlt sich gegenüber 24/24 kg möglicherweise etwas nachgiebiger an.
- Der Ball kann subjektiv etwas tiefer in das Saitenbett einsinken.
- Die seitliche Bewegung der Längssaiten kann weniger stark eingeschränkt werden.
- Die Belastung durch die Quersaiten auf den Rahmen kann etwas geringer ausfallen als bei einer höheren Querbespannung.
Diese Wirkungen lassen sich nicht allein aus der Kilogrammangabe sicher vorhersagen. Eine steife Polyestersaite bei 24/23 kg kann sich deutlich fester anfühlen als eine elastischere Multifilament- oder Naturdarmsaite mit denselben Maschinenwerten. Auch ein enges Bespannbild reagiert anders als ein offenes.
Die Differenz gleicht nicht automatisch alle Spannungen aus
Die einfache Erklärung, ein Kilogramm weniger mache Längs- und Quersaiten im fertigen Schläger exakt gleich straff, greift zu kurz. Quersaiten sind zwar häufig kürzer, verlieren während des Einziehens durch die Reibung aber einen Teil der übertragenen Zugwirkung. Hinzu kommen unterschiedliche freie Saitenlängen zwischen den Kreuzungen.
24/23 kg beschreibt daher eine Einstellung an der Maschine, nicht zwei garantierte Messwerte im fertigen Saitenbett. Entscheidend für einen späteren Vergleich ist, dass möglichst dieselbe Saite, dieselbe Maschine, dieselbe Bespannmethode und derselbe Schläger verwendet werden. Nur dann lässt sich sinnvoll beurteilen, ob 24/23 kg besser passt als beispielsweise eine gleichmäßige Einstellung.
Wann 24/23 kg eine sinnvolle Wahl sein kann
Eine Abstufung um ein Kilogramm kommt infrage, wenn ein gleichmäßig mit 24 kg bespannter Schläger in Querrichtung zu fest wirkt oder insgesamt etwas mehr Nachgiebigkeit gewünscht ist, ohne die Längssaiten ebenfalls abzusenken. Sie kann außerdem Bestandteil einer erprobten Bespannvorgabe für eine bestimmte Kombination aus Rahmen und Saite sein.
Für die Entscheidung hilft eine feste Prüfreihenfolge:
- Prüfe den zulässigen Bespannungsbereich und mögliche Hinweise zum Bespannmuster am Schläger oder in der Herstellerdokumentation.
- Halte Saitenmodell, Saitenstärke, Längs- und Querwert sowie das Bespanndatum fest.
- Bewerte nach dem Spielen getrennt Kontrolle, Komfort, Balllänge und das Gefühl bei außermittigen Treffern.
- Ändere beim nächsten Versuch möglichst nur einen Wert. So bleibt erkennbar, welche Anpassung das Spielgefühl verändert hat.
Liegt 24/23 kg außerhalb des für den Rahmen genannten Bereichs oder schreibt der Hersteller eine bestimmte Differenz beziehungsweise eine einheitliche Bespannung vor, hat diese Vorgabe Vorrang. Unsachgemäßes Bespannen kann den Rahmen verformen oder beschädigen.
Bei Hybridbesaitungen zählt auch das Material
Bestehen Längs- und Quersaiten aus unterschiedlichen Materialien, kann die Abweichung nicht nur die Anordnung im Schläger ausgleichen. Sie dient dann häufig auch dazu, die verschiedene Elastizität und Steifigkeit der beiden Saiten aufeinander abzustimmen.
Eine steife Polyestersaite und eine weichere Multifilamentsaite reagieren bei identischer Referenzspannung nicht gleich. Aus der Schreibweise 24/23 kg lässt sich ohne Angabe der beiden Saiten deshalb nicht ableiten, ob das Saitenbett weich, hart, kontrollorientiert oder komfortabel ausfällt. Bei einer Hybridbesaitung sollten neben den Kilogrammwerten immer Material, Saitenstärke und die jeweilige Position dokumentiert werden.
Eine niedrigere Querspannung ist keine allgemeine Regel
Die Schreibweise 24/23 kg bedeutet nicht, dass Quersaiten grundsätzlich mit weniger Zug bespannt werden müssen. Manche Bespannvorgaben sehen gleiche Werte vor, andere einen höheren Wert für die Quersaiten. Das kann dazu dienen, den durch Reibung entstehenden Zugverlust anders auszugleichen oder die vorgesehene Rahmenform während des Bespannens besser zu erhalten.
Die Richtung der Differenz hat deshalb zwei verschiedene Bedeutungen: Eine niedrigere Querspannung wird häufig gewählt, um das Saitenbett etwas nachgiebiger zu gestalten. Eine höhere Querspannung kann dagegen bei einem bestimmten Rahmen, Bespannbild oder Verfahren Teil einer Vorgabe zur Spannungsverteilung sein. Aus einer einzelnen Angabe lässt sich ohne die Bespannempfehlung des Rahmenherstellers nicht ableiten, welche Variante allgemein richtiger wäre.
Wichtig: Eine Differenz zwischen Längs- und Quersaiten sollte nicht als nachträgliche Korrektur für einen sichtbar verzogenen Rahmen verwendet werden. Zeigt der Schläger nach dem Bespannen eine auffällige Formveränderung, sollte das Bespannmuster, die Einspannung in der Maschine und die Einhaltung des zulässigen Spannungsbereichs geprüft werden.
Häufige Fragen zur unterschiedlichen Bespannung
Dürfen die Quersaiten auch härter als die Längssaiten bespannt werden?
Eine höhere Querbespannung ist technisch nicht grundsätzlich ausgeschlossen, verändert aber Spielgefühl und Rahmenbelastung in die andere Richtung. Sie sollte nur innerhalb der Vorgaben des Schlägerherstellers und nicht als pauschale Gegenmaßnahme gewählt werden. Bei Hybridkombinationen kann eine abweichende Materialempfehlung ebenfalls eine Rolle spielen.
Was entsprechen 24/23 kg in Pounds?
24 kg entsprechen ungefähr 52,9 lb, 23 kg ungefähr 50,7 lb. Auf einer Maschine mit Pound-Skala wäre die Einstellung somit näherungsweise 53/51 lb. Rundungen und die Kalibrierung der Bespannmaschine können das tatsächliche Ergebnis beeinflussen.
Kann man verschiedene Besaitergebnisse nur anhand der Kilogrammwerte vergleichen?
Nein. Maschinentyp, Kalibrierung, Zugmechanismus, Abklemmtechnik und Arbeitsablauf beeinflussen das Ergebnis. Für wiederholbare Bespannungen sind ein vollständiges Bespannungsprotokoll und möglichst gleichbleibende Bedingungen aussagekräftiger als die beiden Zahlen allein.