Die Kennzahl SFP setzt die elektrische Leistungsaufnahme eines Ventilators oder einer festgelegten Ventilatorgruppe ins Verhältnis zum geförderten Luftvolumenstrom. Ein Wert von 1.600 W/(m³/s) bedeutet: Am betrachteten Betriebspunkt werden 1.600 Watt elektrische Leistung je 1 m³/s Luftvolumenstrom benötigt. Je niedriger der SFP-Wert bei vergleichbarer Anlage und identischen Betriebsbedingungen ist, desto geringer ist der spezifische elektrische Leistungsbedarf der Luftförderung.
SFP steht für Specific Fan Power, auf Deutsch spezifische Ventilatorleistung. Die Zahl ist keine direkte Verbrauchsangabe in Kilowattstunden und darf nicht ohne Prüfung des Bezugsumfangs zum Vergleich zweier Lüftungsanlagen verwendet werden.
So wird die Einheit W/(m³/s) gelesen
Im Zähler steht die aufgenommene elektrische Leistung in Watt. Der Nenner bezeichnet den Luftvolumenstrom in Kubikmetern pro Sekunde. Die grundlegende Beziehung lautet:
SFP = elektrische Leistungsaufnahme der betrachteten Ventilatoren in W / Luftvolumenstrom in m³/s
Benötigt ein Ventilator beispielsweise 800 W, um 0,5 m³/s zu fördern, ergibt sich:
800 W / 0,5 m³/s = 1.600 W/(m³/s)
Der Zahlenwert beschreibt den Leistungsaufwand pro geförderter Luftmenge. Obwohl W/(m³/s) dimensionsgleich mit Pascal ist, stellt der SFP-Wert nicht einfach den statischen Druck oder die Druckerhöhung des Ventilators dar. In ihm wirken zusätzlich die Wirkungsgrade von Ventilator, Motor, Antrieb und gegebenenfalls Regelung mit.
Die Zahl gilt nur für einen bestimmten Betriebspunkt
Eine Lüftungsanlage arbeitet nicht unter allen Bedingungen mit demselben Volumenstrom und derselben Leistungsaufnahme. Drehzahl, Druckverluste, Filterzustand, Klappenstellungen und die Regelstrategie verändern den Betriebspunkt. Zu einem belastbaren SFP-Wert gehören daher mindestens der zugehörige Luftvolumenstrom und die Information, unter welchen Betriebsbedingungen die elektrische Leistung bestimmt wurde.
Für die Einordnung ist außerdem entscheidend, welche Verbraucher in der Angabe enthalten sind. Der Wert kann sich je nach Dokument auf einen einzelnen Ventilator, auf Zu- und Abluftventilator zusammen oder auf einen anders abgegrenzten Teil des Lüftungssystems beziehen. Pumpen, elektrische Heizregister und weitere Nebenaggregate gehören nicht automatisch zur Ventilatorleistung.
- Bezieht sich der Wert nur auf den Zuluftventilator, darf er nicht unmittelbar mit einer Summe aus Zu- und Abluft verglichen werden.
- Wurde die Leistungsaufnahme bei unterschiedlichen Volumenströmen bestimmt, ist ein bloßer Vergleich der Wattwerte nicht aussagekräftig.
- Stammt eine Angabe aus einem Auslegungspunkt und eine andere aus einem Teillastpunkt, fehlen identische Vergleichsbedingungen.
- Werden verschiedene Systemgrenzen verwendet, kann der kleinere Zahlenwert trotz ähnlicher Technik nur durch die engere Abgrenzung entstehen.
Was ein hoher oder niedriger SFP-Wert erkennen lässt
Bei gleichem Luftvolumenstrom, gleicher Systemgrenze und vergleichbarem Betriebspunkt weist ein niedrigerer SFP-Wert auf einen geringeren elektrischen Leistungsbedarf der Ventilatoren hin. Ein höherer Wert kann mit größeren Druckverlusten im Kanalnetz, ungünstigen Bauteilen, verschmutzten Filtern, gedrosselten Luftwegen oder einem weniger günstigen Wirkungsgrad zusammenhängen. Die Kennzahl allein zeigt jedoch nicht, welche dieser Ursachen vorliegt.
Ein niedriger SFP-Wert belegt auch nicht automatisch eine insgesamt gute Lüftungsanlage. Luftqualität, erforderlicher Luftwechsel, Schallschutz, Wärmerückgewinnung, Hygiene und die tatsächliche Regelung im Betrieb sind eigenständige Bewertungspunkte. Eine Anlage darf ihren SFP-Wert nicht nur dadurch senken, dass sie weniger Luft fördert als für die jeweilige Nutzung vorgesehen ist.
Von SFP zur elektrischen Leistung
Sind SFP und Luftvolumenstrom auf denselben Betriebspunkt bezogen, lässt sich die elektrische Ventilatorleistung zurückrechnen:
elektrische Leistung in W = SFP in W/(m³/s) × Luftvolumenstrom in m³/s
Bei 1.600 W/(m³/s) und 0,5 m³/s beträgt die Leistung:
1.600 W/(m³/s) × 0,5 m³/s = 800 W
Der Einheitencheck bestätigt das Ergebnis: Der Luftvolumenstrom im Nenner der SFP-Einheit kürzt sich gegen den multiplizierten Volumenstrom. Übrig bleiben Watt.
Der Stromverbrauch entsteht erst über die Betriebszeit
Die SFP-Kennzahl beschreibt Leistung pro Volumenstrom, nicht den jährlichen Energieverbrauch. Für eine vereinfachte Verbrauchsrechnung müssen zusätzlich die Betriebsstunden bekannt sein. Läuft die Anlage während des gesamten betrachteten Zeitraums mit gleichbleibendem Betriebspunkt, gilt:
elektrische Energie in kWh = (SFP in kW/(m³/s) × Luftvolumenstrom in m³/s) × Betriebszeit in h
Der Wert 1.600 W/(m³/s) entspricht 1,6 kW/(m³/s). Bei 0,5 m³/s und 2.000 Betriebsstunden ergibt sich:
(1,6 kW/(m³/s) × 0,5 m³/s) × 2.000 h = 1.600 kWh
Die Rechnung ist eine Orientierung für einen konstanten Betriebspunkt. Bei bedarfsgeregelten Anlagen müssen die einzelnen Laststufen getrennt betrachtet werden. Eine Jahresbewertung benötigt daher Volumenstrom, Leistungsaufnahme und Laufzeit jeder relevanten Betriebsstufe.
Andere Schreibweisen richtig umrechnen
SFP kann unter anderem in kW/(m³/s) oder W/(l/s) erscheinen. Die Zahlen dürfen erst nach einer Umrechnung verglichen werden.
- 1 kW/(m³/s) entspricht 1.000 W/(m³/s).
- 1 W/(l/s) entspricht ebenfalls 1.000 W/(m³/s), weil 1 m³/s gleich 1.000 l/s ist.
- 1.600 W/(m³/s) entsprechen somit 1,6 kW/(m³/s) beziehungsweise 1,6 W/(l/s).
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Angaben geboten, die nur mit SFP und einer Zahl beschriftet sind. Ohne Einheit, Systemgrenze und Betriebspunkt bleibt offen, was genau bewertet wurde.
Vier Angaben machen einen SFP-Vergleich brauchbar
Für den Vergleich von Lüftungsanlagen sollten technische Unterlagen zu jedem Wert dieselbe Datengrundlage erkennen lassen:
- Welche Ventilatoren und elektrischen Komponenten umfasst die Kennzahl?
- Bei welchem Zu- beziehungsweise Abluftvolumenstrom wurde sie ermittelt?
- Welche Filter-, Kanal- und Druckbedingungen gelten am Betriebspunkt?
- Handelt es sich um einen Auslegungswert, eine Messung oder eine Angabe für eine bestimmte Laststufe?
Fehlt einer dieser Punkte, ist eine Rangfolge nach dem bloßen Zahlenwert nicht belastbar. Die passende Prüfstelle ist das technische Datenblatt, die Auslegungsdokumentation oder das Messprotokoll der Lüftungsanlage. Dort sollte auch erkennbar sein, ob Zu- und Abluft gemeinsam oder getrennt bewertet werden.
Die richtige Aussage aus der Kennzeichnung ableiten
SFP beantwortet vor allem eine Frage: Wie viel elektrische Ventilatorleistung wird für einen festgelegten Luftvolumenstrom benötigt? Die Kennzahl eignet sich zur energetischen Einordnung, wenn Betriebspunkt, Systemgrenze und Einheit übereinstimmen. Für den tatsächlichen Stromverbrauch müssen zusätzlich Betriebsdauer und Lastverlauf berücksichtigt werden. Ein einzelner SFP-Wert ohne diese Angaben ist eine technische Orientierung, aber noch kein vollständiger Effizienz- oder Verbrauchsnachweis.