Jam Sync bedeutet, dass ein Gerät den Timecode einer externen Quelle kurz übernimmt und danach mit seiner eigenen internen Uhr weiterzählt. Kamera, Audiorekorder oder Timecode-Generator müssen somit nicht dauerhaft verbunden bleiben. Der angezeigte Timecode bleibt zunächst gleich, kann aber mit zunehmender Laufzeit abweichen, weil die internen Taktgeber nie vollkommen identisch arbeiten.
Für die Praxis heißt das: Nach dem Abziehen des Kabels ist die Synchronisierung nicht beendet. Die beteiligten Geräte laufen im Modus Free Run unabhängig weiter. Wie lange ihre Timecodes ausreichend genau übereinstimmen, hängt von der Stabilität der jeweiligen Uhren, der Temperatur, dem Gerätezustand und den Anforderungen der Produktion ab.
Was beim Jam Sync im Gerät passiert
Ein Gerät dient als Zeitquelle und gibt einen fortlaufenden Timecode aus. Das empfangende Gerät liest diesen Wert über seinen dafür vorgesehenen Timecode-Eingang ein und setzt seinen eigenen Zähler auf denselben Stand. Anschließend hält sein interner Taktgeber den Zähler in Bewegung.
Der Vorgang gleicht damit eher dem Stellen zweier Uhren als einer dauerhaften Datenverbindung. Die Geräte tauschen nach dem Trennen normalerweise keine weiteren Informationen aus. Sie zeigen weiterhin ähnliche Werte, weil beide Uhren ab demselben Ausgangspunkt vorwärtslaufen.
Jam Sync funktioniert nur wie beabsichtigt, wenn das empfangende Gerät den übernommenen Timecode nach dem Trennen frei weiterzählen kann. Im Modus Record Run läuft der Zähler dagegen häufig nur während einer Aufnahme. Das kann für einzelne Arbeitsabläufe sinnvoll sein, führt aber nicht zu einem durchgehend gemeinsamen Zeitbezug mehrerer unabhängig gestarteter Geräte.
Warum aus gleichem Timecode später eine Abweichung werden kann
Jedes getrennte Gerät verwendet nach dem Jam Sync seinen eigenen Oszillator als Taktbasis. Schon geringfügig unterschiedliche Taktraten summieren sich über die Zeit. Ein Zähler kann dadurch allmählich vorauseilen, während ein anderer zurückbleibt. Dieser Vorgang wird als Drift bezeichnet.
Eine Abweichung muss nicht sofort als ganzer Frame sichtbar sein. Kleine Zeitfehler sammeln sich zunächst im Hintergrund und überschreiten erst später eine Frame-Grenze. Hochwertige, temperaturkompensierte Timecode-Generatoren sind auf geringe Drift ausgelegt. Aus der Bezeichnung Jam Sync allein lässt sich jedoch keine garantierte Laufzeit oder Genauigkeit ableiten.
Auch ein ausgeschaltetes Gerät, ein Akkuwechsel oder das Umschalten des Timecode-Modus kann den gemeinsamen Bezug aufheben. Manche Geräte halten den Timecode während eines Akkuwechsels, andere nur unter bestimmten Bedingungen oder gar nicht. Maßgeblich sind die Timecode-Rubriken des jeweiligen Handbuchs, insbesondere die Angaben zu Free Run, Jam, External, Timecode Hold und zum Verhalten bei unterbrochener Stromversorgung.
Bildrate und Zählweise müssen zusammenpassen
Ein gleicher Startwert genügt nicht, wenn die Geräte mit unterschiedlichen Timecode-Einstellungen arbeiten. Vor dem Synchronisieren müssen mindestens Bildrate und Zählweise übereinstimmen. Typische Bildraten sind beispielsweise 24, 25 oder 30 Bilder pro Sekunde sowie die davon abweichenden gebrochenen Varianten. Welche Einstellung richtig ist, bestimmt das Aufnahmeprojekt.
Bei geeigneten Bildraten ist außerdem zwischen Drop Frame und Non-Drop Frame zu unterscheiden. Drop Frame lässt keine aufgenommenen Videobilder weg. Es überspringt in festgelegten Abständen lediglich bestimmte Timecode-Nummern, damit die Anzeige enger an der verstrichenen Uhrzeit bleibt. Unterschiedliche Einstellungen können identisch wirkende Startanzeigen erzeugen, später aber zu unpassenden Zeitangaben führen.
- Alle Geräte auf die für das Projekt festgelegte Bildrate einstellen.
- Drop Frame oder Non-Drop Frame einheitlich wählen, sofern diese Auswahl bei der Bildrate verfügbar ist.
- Ein eindeutig bestimmtes Gerät als Masterquelle verwenden.
- Nach dem Jam Sync den Wert an jedem Gerät kontrollieren und die Verbindung testweise trennen.
- Eine kurze Aufnahme starten und prüfen, ob der aufgezeichnete Timecode tatsächlich dem angezeigten Wert entspricht.
Jam Sync ersetzt weder Genlock noch eine gemeinsame Audioabtastung
Timecode bezeichnet Zeitpositionen und erleichtert die Zuordnung von Bild- und Tondateien. Er sorgt nicht automatisch dafür, dass mehrere Kameras ihre einzelnen Bilder exakt im selben Moment erzeugen. Für eine phasengenaue Kopplung von Videosignalen kann zusätzlich Genlock erforderlich sein, sofern die Geräte und der Produktionsablauf dies unterstützen.
Ebenso taktet Jam Sync nicht automatisch die Audioabtastung mehrerer Rekorder. Zwei Dateien können mit demselben Timecode beginnen und über eine lange Aufnahme dennoch gegeneinander driften, wenn ihre Abtastraten von unabhängigen Takten bestimmt werden. Der gemeinsame Timecode liefert dann wichtige Start- und Zuordnungsinformationen, ist aber keine Garantie für dauerhaft samplegenaue Übereinstimmung.
Für kurze Takes reicht ein sauber ausgeführter Jam Sync in vielen Arbeitsabläufen als Grundlage der späteren Synchronisation. Bei langen ununterbrochenen Aufnahmen, Musikproduktionen oder anderen zeitkritischen Einsätzen muss zusätzlich geklärt werden, ob durchgehende Timecode-Generatoren, Genlock oder eine gemeinsame Wordclock benötigt werden.
Wann ein erneuter Jam sinnvoll ist
Ein Re-Jam setzt die Geräte erneut auf den Wert der Masterquelle und begrenzt die bis dahin entstandene Abweichung. Ein fester Zeitabstand lässt sich nicht geräteübergreifend nennen, weil die Drift von der verwendeten Hardware und den Umgebungsbedingungen abhängt. Sinnvoll ist eine erneute Synchronisierung besonders nach Akkuwechseln, Neustarts, längeren Pausen, deutlichen Temperaturänderungen oder Änderungen an Bildrate und Timecode-Modus.
Die verlässlichste Prüfmethode ist ein Test unter den Bedingungen der geplanten Aufnahme: Alle Geräte synchronisieren, voneinander trennen und über die erwartete Einsatzdauer laufen lassen. Danach die Timecodes gleichzeitig vergleichen. Überschreitet die Abweichung die für den Schnitt zulässige Grenze, muss häufiger synchronisiert oder eine stabilere beziehungsweise dauerhaft angeschlossene Zeitcode-Lösung verwendet werden.
So deutest du die Anzeige am Gerät
Die Beschriftung Jam Sync bestätigt in der Regel einen Übernahmevorgang, aber nicht zwingend eine fortbestehende externe Verbindung. Eine Anzeige wie External oder EXT kann dagegen darauf hinweisen, dass der Timecode gerade von außen bezogen wird. Die genaue Bedeutung solcher Kürzel ist hersteller- und modellabhängig.
Wenn der Timecode nach dem Abziehen des Kabels stehen bleibt, springt oder beim Aufnahmestart neu beginnt, prüfe zuerst den eingestellten Laufmodus. Läuft er kontinuierlich weiter, vergleiche anschließend Bildrate, Drop-Frame-Einstellung und aktuellen Zählerstand mit der Masterquelle. Bei wiederkehrenden Sprüngen oder einem Verlust nach dem Ausschalten ist das dokumentierte Speicher- und Stromversorgungsverhalten des jeweiligen Geräts ausschlaggebend.
Jam Sync ist damit kein dauerhaftes Senden eines gemeinsamen Signals, sondern das kurzzeitige Stellen mehrerer Geräte auf denselben Zeitbezug. Das unabhängige Weiterlaufen ist beabsichtigt; regelmäßige Gegenkontrollen und bei Bedarf ein Re-Jam verhindern, dass unbemerkte Drift den späteren Schnitt erschwert.