IP65 oder IP67: Wo liegt der Unterschied bei den Schutzarten

Lesedauer: 4 Min
Aktualisiert: 28. Juli 2026 08:10

IP65 und IP67 schützen beide vollständig gegen Staub. Der entscheidende Unterschied liegt beim Wasser: IP65 ist für Wasserstrahlen ausgelegt, IP67 für ein zeitweiliges Eintauchen. Welche Schutzart besser passt, hängt deshalb davon ab, ob das Produkt Regen und Spritzwasser oder vorübergehendem Untertauchen ausgesetzt sein kann.

Was bedeuten die beiden IP-Ziffern?

Die Kennzeichnung IP steht für die Schutzart eines Gehäuses nach IEC 60529. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper, die zweite den Schutz gegen Wasser.

  • 6: vollständig staubdicht
  • 5: Schutz gegen Wasserstrahlen aus verschiedenen Richtungen
  • 7: Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen unter festgelegten Prüfbedingungen

Bei beiden Varianten ist die Staubschutzklasse 6 identisch. Der Unterschied steckt ausschließlich in der Wasserprüfung.

IP65: Geeignet gegen Regen und Wasserstrahlen

Ein Gehäuse mit IP65 hält Wasserstrahlen aus unterschiedlichen Richtungen stand. Das ist beispielsweise bei Außenleuchten, Überwachungskameras, Lautsprechern oder technischen Gehäusen relevant, die Regen, Spritzwasser oder die Reinigung mit einem begrenzten Wasserstrahl abbekommen können.

IP65 bedeutet jedoch nicht, dass das Produkt dauerhaft wasserdicht ist. Untertauchen, stehendes Wasser oder hoher Wasserdruck können die Dichtungen überfordern. Hochdruckreiniger sind daher nicht automatisch abgedeckt, selbst wenn das Gehäuse eine IP65-Kennzeichnung trägt.

IP67: Geeignet für zeitweiliges Untertauchen

IP67 schützt ebenfalls vollständig vor Staub und zusätzlich vor einem zeitweiligen Untertauchen. Die übliche Prüfung erfolgt unter festgelegten Bedingungen, häufig bis zu einer Wassertiefe von einem Meter und für bis zu 30 Minuten. Maßgeblich bleiben die Angaben des Herstellers, weil Bauform, Prüfanordnung und Nutzungshinweise eine Rolle spielen.

IP67 ist sinnvoll, wenn ein Gerät kurzzeitig ins Wasser fallen kann oder sich zeitweise in einer feuchten Umgebung befindet. Die Schutzart ist aber keine Freigabe für dauerhaften Betrieb unter Wasser, stark bewegtes Wasser oder beliebige Tiefen.

Ist IP67 automatisch besser als IP65?

Nein. IP67 beschreibt den Schutz beim Untertauchen, IP65 den Schutz gegen Wasserstrahlen. Eine höhere zweite Ziffer ersetzt nicht jede niedrigere Prüfung. Ein Produkt mit IP67 muss deshalb nicht automatisch den vollständigen Schutzumfang von IP65 gegen Wasserstrahlen erfüllen.

Anleitung
1Prüfe, ob das Gerät Regen, Wasserstrahlen oder Untertauchen ausgesetzt wird.
2Kontrolliere, ob Abdeckungen, Dichtungen und Anschlüsse vollständig geschlossen sind.
3Beachte, dass die Schutzart oft nur für das komplette, unbeschädigte Produkt gilt.
4Halte die Angaben zur Wassertiefe, Dauer, Reinigung und Temperatur ein.

Wenn beide Belastungen auftreten können, sollte auf eine doppelte Kennzeichnung wie IP65/IP67 oder auf eine ausdrücklich genannte Herstellerfreigabe geachtet werden. Für eine Außenkamera unter einem Vordach kann IP65 ausreichen. Bei einem mobilen Gerät, das ins Wasser fallen kann, ist IP67 die passendere Angabe.

Was solltest du vor der Verwendung prüfen?

  1. Prüfe, ob das Gerät Regen, Wasserstrahlen oder Untertauchen ausgesetzt wird.
  2. Kontrolliere, ob Abdeckungen, Dichtungen und Anschlüsse vollständig geschlossen sind.
  3. Beachte, dass die Schutzart oft nur für das komplette, unbeschädigte Produkt gilt.
  4. Halte die Angaben zur Wassertiefe, Dauer, Reinigung und Temperatur ein.

Beschädigte Gehäuse, gealterte Dichtungen oder falsch eingesetzte Abdeckungen können den Schutz deutlich verringern. Die IP-Klasse ist daher eine geprüfte Eigenschaft unter bestimmten Bedingungen und keine allgemeine Garantie für jede Wassersituation.

Häufige Fragen zu IP65 oder IP67

Kann ein IP67-Gerät auch im Regen verwendet werden?

Ja, ein IP67-Gerät ist für zeitweiliges Untertauchen geprüft und kann deshalb in der Regel auch Regen aushalten. Ob zusätzlich Wasserstrahlen, dauerhafte Nässe oder eine bestimmte Montage erlaubt sind, steht in den Herstellerangaben.

Ist IP65 für ein Gerät im Badezimmer ausreichend?

Das hängt vom Montageort und der möglichen Wasserbelastung ab. In Bereichen mit Spritzwasser kann IP65 passen, während in der Nähe einer Dusche, Badewanne oder eines möglichen Untertauchens zusätzliche Vorgaben und gegebenenfalls eine höhere Schutzart erforderlich sind.

Kann ein IP67-Gerät unter einem Wasserhahn abgespült werden?

Nein, aus IP67 lässt sich kein allgemeiner Schutz gegen Wasserstrahlen ableiten. Zum Abspülen ist eine ausdrücklich genannte Freigabe des Herstellers oder eine zusätzliche Kennzeichnung wie IP65/IP67 erforderlich.

Was passiert, wenn ein IP65-Gerät ins Wasser fällt?

IP65 deckt ein zeitweiliges Untertauchen nicht ab, daher kann Wasser in das Gehäuse eindringen und das Gerät beschädigen. Schalte es, sofern gefahrlos möglich, aus, trenne es von der Stromversorgung und richte dich nach den Herstellerhinweisen.

Bleibt die Schutzart nach dem Öffnen des Gehäuses erhalten?

Nicht unbedingt, denn beim Öffnen können Dichtungen verrutschen, beschädigt werden oder falsch eingesetzt sein. Nach Reparaturen oder dem Austausch von Anschlüssen gilt die ursprüngliche IP-Klasse nur dann verlässlich, wenn der Hersteller die entsprechende Montage und Prüfung vorsieht.

Woran erkennst du, ob IP65 oder IP67 für den Einsatzort genügt?

Ordne zuerst die stärkste mögliche Wasserbelastung ein: Regen und Spritzwasser sprechen eher für IP65, ein mögliches kurzes Untertauchen für IP67. Treten Wasserstrahlen und Untertauchen beide auf, solltest du eine Doppelkennzeichnung oder eine konkrete Herstellerfreigabe wählen.

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