EN ISO 20345 – was diese Norm auf Sicherheitsschuhen aussagt

Lesedauer: 6 Min
Aktualisiert: 24. Mai 2026 12:26

Die Norm EN ISO 20345 legt fest, welche Mindestanforderungen ein Sicherheitsschuh erfüllen muss, damit er als Schutzschuh mit Zehenschutzkappe gilt. Sie sagt aus, dass der Schuh eine Zehenkappe mit 200 Joule Stoßenergie und 15 kN Druckbelastung aushalten muss und klar gekennzeichnet ist. Wer diese Kennzeichnung auf dem Schuh findet, kann davon ausgehen, dass ein geprüfter Grundschutz für Zehen vorhanden ist.

Die Norm gehört zu den zentralen Sicherheitsnormen für Arbeitsschuhe in Europa. Sie regelt den Basisaufbau, Prüfverfahren, Kennzeichnungen und Zusatzanforderungen, die über Kürzel am Schuh erkennbar sind. Für Arbeitgeber und Beschäftigte ist sie die Grundlage, um passende Schuhe für das jeweilige Risiko auszuwählen.

Was EN ISO 20345 auf dem Schuh bedeutet

Steht im Schuh oder auf dem Etikett EN ISO 20345, handelt es sich um einen Sicherheitsschuh mit Zehenschutzkappe. Diese Kappe kann aus Stahl, Aluminium oder Kunststoff bestehen, muss aber immer den gleichen Schutzgrad erreichen. Schuhe ohne diese Norm sind in der Regel nur Schutz- oder Berufsschuhe mit niedrigerem Sicherheitsniveau.

Zusätzlich zur Normangabe folgt meist eine Klasse wie SB, S1, S1P, S2 oder S3. Diese Klassen beschreiben, welche weiteren Schutzmerkmale vorhanden sind, etwa geschlossene Ferse, antistatische Eigenschaften, Energieaufnahme im Fersenbereich, Durchtrittschutz oder Wasseraufnahmebegrenzung des Obermaterials.

Die wichtigsten Sicherheitsklassen kurz erklärt

SB beschreibt nur die Grundanforderung mit Zehenschutzkappe ohne zusätzliche Merkmale. S1 ergänzt unter anderem geschlossene Ferse, Antistatik und Energieaufnahme im Fersenbereich, ist aber nicht gegen Durchtritt von unten geschützt. S1P steht für S1 plus Durchtrittschutz, etwa durch eine durchtritthemmende Zwischensohle.

S2 baut auf S1 auf und fügt begrenzte Wasseraufnahme und Wasserdurchtritt des Obermaterials hinzu, eignet sich also für feuchtere Arbeitsbereiche ohne starken Bodennässe-Kontakt. S3 kombiniert die Merkmale von S2 mit Durchtrittschutz und meist profilierter Sohle für bessere Rutschhemmung, häufig eingesetzt auf Baustellen und im Außenbereich.

Wann welcher Sicherheitsschuh passend ist

Wenn vor allem Stoß- und Quetschgefahr im Vordergrund steht, reicht häufig ein Schuh mit Grundschutz wie S1. Sobald scharfe oder spitze Gegenstände am Boden liegen können, sollte ein Modell mit Durchtrittschutz wie S1P oder S3 gewählt werden. In nassen Umgebungen oder im Außenbereich sind S2 oder S3 meist die passende Wahl, da sie das Eindringen von Wasser besser begrenzen.

Arbeitgeber sollten die Gefährdungsbeurteilung mit den Schutzklassen abgleichen und nur Schuhe mit passender EN-Kennzeichnung einkaufen. Beschäftigte prüfen am besten zuerst das Etikett im Schaft oder auf der Zunge des Schuhs und gleichen Norm, Klasse und Größe mit den Vorgaben des Betriebs ab.

Handlungsfolge bei Unsicherheit zur Kennzeichnung

Wer sich nicht sicher ist, ob vorhandene Schuhe den Normanforderungen entsprechen, sollte zuerst im Schuh nach der Normangabe und der Sicherheitsklasse suchen. Fehlt der Hinweis, liegt meistens kein geprüfter Sicherheitsschuh mit vollem Zehenschutz vor. Im nächsten Schritt lohnt sich ein Blick in die Unterlagen des Arbeitgebers oder in die Produktbeschreibung des Herstellers.

Bleiben Zweifel, sollte der Verantwortliche für Arbeitssicherheit im Betrieb eingebunden werden, bevor der Schuh weiter im Gefahrenbereich eingesetzt wird. Gerade bei Arbeiten mit hoher Quetschgefahr können ungeeignete Schuhe zu schweren Verletzungen führen.

FAQ zu EN ISO 20345 Sicherheitsschuhen

Was unterscheidet EN ISO 20345 Sicherheitsschuhe von einfachen Arbeitsschuhen?

EN ISO 20345 Sicherheitsschuhe müssen eine Zehenschutzkappe mit mindestens 200 Joule Stoßenergie aufnehmen und definierte Anforderungen an Sohle, Rutschhemmung und Materialien erfüllen. Einfache Arbeitsschuhe ohne diese Norm bieten häufig keinen normierten Zehenschutz und sind eher für leichtere Tätigkeiten ohne hohe Gefährdung geeignet.

Welche Sicherheitsklasse nach EN ISO 20345 ist für das Lager sinnvoll?

Für typische Lagerarbeiten, bei denen Paletten und schwere Kartons bewegt werden, ist mindestens S1P sinnvoll, oft auch S3. S1P bietet Zehenschutz, antistatische Eigenschaften und Durchtrittschutz, während S3 zusätzlich eine durchtrittsichere, profilierte Laufsohle für häufig feuchte oder leicht verschmutzte Böden liefert.

Sind S1-Schuhe ohne Durchtrittschutz noch zeitgemäß?

S1-Schuhe ohne P-Platte sind dort üblich, wo keine scharfen oder spitzen Gegenstände am Boden liegen und überwiegend im Innenbereich gearbeitet wird. In Bereichen mit Nägeln, Metallspänen oder Scherben sollten Unternehmen heute mindestens S1P oder S3 vorgeben, um Verletzungen der Fußsohle zu vermeiden.

Wann brauche ich S3-Sicherheitsschuhe?

S3 ist die gängige Wahl auf Baustellen, im Tiefbau, in der Landwirtschaft und überall dort, wo Untergründe uneben, feucht oder verschmutzt sind. Die Kombination aus Zehenschutz, Durchtrittschutz, Öl- und Benzinbeständigkeit sowie profilierter Sohle deckt viele typische Berufsrisiken zuverlässig ab.

Wie erkenne ich, ob meine Sicherheitsschuhe noch normgerecht sind?

Prüfen Sie die Kennzeichnung auf Zunge oder Innenseite: Dort müssen Normbezeichnung, Sicherheitsklasse und Herstellerangaben lesbar sein. Sind Markierung, Zehenschutzkappe, Sohle oder Schaft stark beschädigt, sollte der Schuh ersetzt werden, auch wenn die formale Gültigkeit noch besteht.

Wie oft sollten EN ISO 20345 Sicherheitsschuhe ausgetauscht werden?

Im intensiven täglichen Einsatz empfehlen viele Fachkräfte einen Austausch nach etwa einem Jahr, bei leichter Nutzung nach maximal zwei bis drei Jahren. Sichtbare Risse, abgefahrenes Profil, lose Kappe oder defekter Durchtrittschutz gelten als klares Signal für einen früheren Wechsel.

Dürfen Mitarbeitende ihr Modell frei wählen?

Das Unternehmen muss die passende Schutzklasse und zusätzliche Kennzeichnungen wie SRC oder HRO vorgeben. Innerhalb dieser Vorgaben kann eine Auswahl verschiedener Modelle sinnvoll sein, damit Tragekomfort, Weite und Optik zu den jeweiligen Personen passen.

Was bedeutet SRC bei EN ISO 20345 Sicherheitsschuhen?

SRC kennzeichnet die höchste geprüfte Rutschhemmung auf Keramikfliesen mit Reinigungsmittel und auf Stahl mit Glycerin. In Bereichen mit glatten Böden, Nässe oder Reinigungschemie helfen SRC-Sohlen, Stürze zu vermeiden und damit Ausfallzeiten und Unfallkosten zu senken.

Sind sportliche Sicherheitssneaker genauso sicher wie klassische Stiefel?

Solange die Schuhe vollständig nach EN ISO 20345 zertifiziert und in der richtigen Klasse ausgewählt sind, erfüllen sie die gleichen Mindestanforderungen. Stiefel bieten jedoch häufig besseren Knöchelschutz und mehr Stabilität auf sehr unebenem Untergrund, während Sneaker beim Gehen oft angenehmer und leichter sind.

Wer haftet, wenn falsche Sicherheitsschuhe eingesetzt werden?

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen und passende Persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen. Werden falsche Schuhe eingesetzt oder Vorgaben ignoriert, kann dies versicherungs- und haftungsrechtliche Folgen für Unternehmen und im Einzelfall auch für Beschäftigte haben.

Fazit

Die Norm EN ISO 20345 legt verbindliche Mindestanforderungen für Sicherheitsschuhe fest und hilft Unternehmen, passende Modelle anhand von Schutzklassen und Zusatzkennzeichnungen wie SRC auszuwählen. Arbeitgeber bleiben für Gefährdungsbeurteilung, Bereitstellung geeigneter Schuhe und die Einhaltung der Vorgaben verantwortlich, während Mitarbeitende innerhalb dieses Rahmens ein Modell wählen können, das zu ihren ergonomischen Bedürfnissen passt. Sportliche Sicherheitssneaker und klassische Stiefel bieten bei korrekter Zertifizierung denselben Grundschutz, unterscheiden sich jedoch in Stabilität, Knöchelschutz und Tragekomfort. Regelmäßige Kontrolle und rechtzeitiger Austausch verschlissener Schuhe sind entscheidend, um Unfälle und Haftungsrisiken zu vermeiden.

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Autorin bei Zeichencheck.de

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