EN 388 in Normangaben: So liest du das Kürzel

Lesedauer: 4 Min
Aktualisiert: 22. Juli 2026 02:42

EN 388 kennzeichnet Schutzhandschuhe gegen mechanische Risiken. Die Normangabe steht meist unter dem Hammer-Schild und zeigt anhand mehrerer Werte, wie gut ein Handschuh gegen Abrieb, Schnitt, Weiterreißen und Durchstich schützt. Prüfe zuerst die Zahlen und Buchstaben auf dem Handschuh oder der Verpackung und gleiche sie mit der geplanten Arbeit ab.

Was bedeutet EN 388?

Die europäische Norm EN 388 beschreibt die mechanischen Schutzeigenschaften eines Handschuhs. Sie bewertet nicht die allgemeine Qualität und sagt auch nicht automatisch, dass der Handschuh gegen Hitze, Chemikalien oder Strom geeignet ist.

Die Kennzeichnung besteht gewöhnlich aus dem Piktogramm und einer Folge von vier oder fünf Zeichen. Je höher ein Zahlenwert ist, desto höher ist die jeweilige geprüfte Widerstandsstufe. Ein fehlender oder nicht geprüfter Wert kann durch ein „X“ gekennzeichnet sein.

Die Werte unter dem Hammer-Symbol

  • Abriebfestigkeit: Der erste Wert reicht von 0 bis 4. Er beschreibt, wie viele Schleifzyklen das Material im Prüftest aushält.
  • Schnittfestigkeit nach dem Coup-Test: Der zweite Wert reicht von 0 bis 5. Dabei wird geprüft, wie vielen Schneidbewegungen ein Material widersteht.
  • Weiterreißfestigkeit: Der dritte Wert reicht von 0 bis 4. Er zeigt, wie viel Kraft nötig ist, um einen vorhandenen Einschnitt weiterzureißen.
  • Durchstichfestigkeit: Der vierte Wert reicht von 0 bis 4. Bewertet wird der Widerstand gegen das Eindringen einer Prüfspitze.

Bei neueren Kennzeichnungen kann zusätzlich ein Buchstabe von A bis F folgen. Er steht für den ISO-14404-Schnittschutztest mit einer schärferen Klinge. Ein „P“ am Ende weist außerdem auf einen bestandenen Aufprallschutztest hin. Fehlt das P, ist kein Aufprallschutz nach diesem Test ausgewiesen.

Warum Zahlen und Buchstaben zusammen wichtig sind

Ein hoher Abriebwert bedeutet nicht automatisch einen hohen Schnittschutz. Für Montagearbeiten mit rauen Oberflächen kann der erste Wert entscheidend sein, während bei Blechen oder scharfen Kanten der Schnittschutz stärker zählt. Bei Nadeln, Drähten oder spitzen Metallteilen ist zusätzlich der Durchstichwert relevant.

Der Coup-Test kann bei sehr scharfen Materialien an Aussagekraft verlieren. Deshalb ergänzt der ISO-Schnittwert die Kennzeichnung. Wähle den Handschuh nach der konkreten Gefährdung und nicht nur nach der höchsten einzelnen Zahl.

Was EN 388 nicht garantiert

EN 388 ist kein Nachweis für Schutz vor Chemikalien, Hitze, Kälte oder elektrischer Spannung. Dafür gelten andere Normen und Piktogramme. Auch ein nach EN 388 geprüfter Handschuh verhindert nicht jede Verletzung: Passform, beschädigte Stellen, Feuchtigkeit und der richtige Umgang mit dem Werkstück beeinflussen den tatsächlichen Schutz.

Vor der Arbeit solltest du die Kennzeichnung, die passende Größe und den Zustand des Materials prüfen. Bei sichtbaren Rissen, starkem Verschleiß oder einer unklaren Gefährdung ist der Handschuh auszutauschen beziehungsweise die zuständige Sicherheitsfachkraft zu fragen.

Häufige Fragen zur Kennzeichnung EN 388

Was bedeutet ein X in der EN-388-Angabe?

Ein X bedeutet, dass die betreffende Eigenschaft nicht geprüft wurde oder für die Kennzeichnung nicht bewertet ist. Du solltest daraus weder einen besonders schlechten noch einen bestimmten Schutzwert ableiten, sondern für diese Gefährdung einen Handschuh mit passender geprüfter Leistungsstufe auswählen.

Ist EN 388 auch für Arbeiten mit scharfen Glasscherben ausreichend?

Das lässt sich nicht allein am EN-388-Code entscheiden, weil Form, Schärfe und Bewegungsrichtung des Materials eine wichtige Rolle spielen. Achte besonders auf den ISO-Schnittschutzwert und berücksichtige zusätzlich die Vorgaben der Gefährdungsbeurteilung sowie die sichere Handhabung der Scherben.

Was ist der Unterschied zwischen dem zweiten Wert und dem Buchstaben für Schnittschutz?

Der zweite Wert stammt aus dem Coup-Test, während der Buchstabe A bis F den Schnittschutz nach dem ISO-Verfahren mit einer schärferen Klinge angibt. Bei sehr scharfen Materialien kann der Buchstabe die aussagekräftigere Orientierung sein, deshalb solltest du beide Angaben zusammen betrachten.

Schützt ein Handschuh mit EN 388 auch vor Nadelstichen?

Für Nadeln und ähnliche Spitzen ist vor allem der vierte Wert zur Durchstichfestigkeit relevant. Dieser Prüfwert garantiert jedoch nicht, dass eine konkrete Nadel nicht eindringen kann, weil die tatsächliche Belastung, die Spitze und der Auftreffwinkel abweichen können.

Was bedeutet das P am Ende der Kennzeichnung?

Das P weist auf einen bestandenen Aufprallschutztest nach der entsprechenden Prüfung hin. Fehlt der Buchstabe, ist ein solcher Aufprallschutz durch die EN-388-Kennzeichnung nicht ausgewiesen; daraus folgt aber nicht automatisch, dass der Handschuh für jede Arbeit mit Stoß- oder Quetschgefahr geeignet ist.

Kann ich einen EN-388-Handschuh bei feuchten Arbeiten verwenden?

Die Normangabe beschreibt mechanische Eigenschaften und sagt allein nichts über Flüssigkeits- oder Chemikalienschutz aus. Prüfe deshalb, ob für die konkrete Flüssigkeit eine zusätzliche geeignete Kennzeichnung und Materialfreigabe vorhanden ist, und beachte, dass Nässe den sicheren Griff beeinträchtigen kann.

Wann muss ein Handschuh trotz guter EN-388-Werte ersetzt werden?

Du solltest ihn ersetzen, wenn Risse, Löcher, starke Ausdünnungen, verhärtete Stellen oder deutlich nachlassender Grip sichtbar sind. Auch nach einem starken Kontakt mit einer scharfen Kante kann der Handschuh unauffällig geschädigt sein; bei Unsicherheit ist ein Austausch sicherer als die weitere Verwendung.

Checkliste
  • Abriebfestigkeit: Der erste Wert reicht von 0 bis 4. Er beschreibt, wie viele Schleifzyklen das Material im Prüftest aushält.
  • Schnittfestigkeit nach dem Coup-Test: Der zweite Wert reicht von 0 bis 5. Dabei wird geprüft, wie vielen Schneidbewegungen ein Material widersteht.
  • Weiterreißfestigkeit: Der dritte Wert reicht von 0 bis 4. Er zeigt, wie viel Kraft nötig ist, um einen vorhandenen Einschnitt weiterzureißen.
  • Durchstichfestigkeit: Der vierte Wert reicht von 0 bis 4. Bewertet wird der Widerstand gegen das Eindringen einer Prüfspitze.

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