Die Kennzeichnung DIN 345 steht bei Spiralbohrern für eine Ausführung mit Morsekegelschaft. Der Bohrer besitzt keinen zylindrischen Schaft, weil er direkt in eine passende konische Werkzeugaufnahme eingesetzt wird. Der Morsekegel zentriert den Bohrer, hält ihn durch die Klemmwirkung der Kegelflächen und eignet sich besonders für größere Bohrerdurchmesser und entsprechend hohe Belastungen.
Was DIN 345 auf einem Bohrer bezeichnet
DIN 345 beschreibt eine Bauform von Spiralbohrern mit Morsekegelschaft. Die Angabe bezieht sich damit nicht bloß auf die Schneiden, sondern auch auf die Gestaltung des Schafts und die dazugehörigen Abmessungen. Sie ist kein allgemeines Qualitätssiegel und sagt für sich allein weder etwas über den Werkstoff noch über die Eignung für ein bestimmtes Werkstück aus.
Am hinteren Ende eines solchen Bohrers befindet sich ein genormter Werkzeugkegel. Häufig folgt darauf ein flacher Austreiblappen. Dieser Aufbau unterscheidet den DIN-345-Bohrer deutlich von einem üblichen Spiralbohrer mit rundem, über die Länge gleichbleibendem Schaft.
Die Angabe der Morsekegelgröße, beispielsweise MK 1, MK 2 oder MK 3, muss zur Aufnahme der Maschine passen. Die DIN-345-Kennzeichnung allein genügt nicht, um die Kompatibilität festzustellen. Maßgeblich sind Kegelgröße, verfügbare Einstecktiefe und die Ausführung der Maschinenspindel oder Reduzierhülse.
Warum der Morsekegel den zylindrischen Schaft ersetzt
Ein zylindrischer Bohrerschaft wird normalerweise von einem Bohrfutter an mehreren Stellen eingespannt. Beim Morsekegel bilden dagegen die kegelige Außenfläche des Werkzeugs und die passende Innenfläche der Aufnahme die Verbindung. Beim Einsetzen werden beide Flächen gegeneinander gedrückt. Die dadurch entstehende Haftreibung hält und zentriert das Werkzeug.
- Die große Kontaktfläche verteilt die Belastung über den Kegel.
- Der Bohrer sitzt ohne zusätzliches Dreibacken-Bohrfutter direkt in der passenden Spindel oder Hülse.
- Die Kegelform sorgt bei sauberen, unbeschädigten Flächen für eine genaue Zentrierung.
- Größere Bohrer lassen sich stabil aufnehmen, ohne ihren Schaft auf einen kleinen zylindrischen Durchmesser zu verjüngen.
Ein zusätzlicher zylindrischer Aufnahmebereich wäre bei dieser Bauweise nicht nur unnötig. Er würde auch eine andere Spanntechnik verlangen und den Vorteil der direkten Kegelverbindung aufheben. Der fehlende Zylinderschaft ist somit kein unvollständiges Bauteil, sondern das bestimmende Merkmal dieser Bohrerausführung.
Welche Aufgabe der Austreiblappen hat
Der flache Fortsatz am Ende vieler DIN-345-Bohrer wird als Austreiblappen bezeichnet. Er ermöglicht es, das Werkzeug mit einem passenden Austreibkeil aus der Spindel oder Hülse zu lösen. Dazu muss die Aufnahme einen dafür vorgesehenen Schlitz besitzen.
Der Austreiblappen kann bei einer dafür ausgelegten Aufnahme außerdem verhindern, dass sich das Werkzeug bei nachlassendem Reibschluss unkontrolliert mitdreht. Die reguläre Verbindung soll jedoch über sauber anliegende Kegelflächen zustande kommen. Ein beschädigter Lappen, eine verschmutzte Aufnahme oder ein nur lose eingesetzter Kegel darf nicht durch kräftigeres Einschlagen kompensiert werden.
DIN 345 und DIN 338 nicht verwechseln
Die sichtbare Schaftform hilft bei der Unterscheidung. Ein typischer Spiralbohrer nach DIN 338 besitzt einen zylindrischen Schaft und wird gewöhnlich in einem Bohrfutter gespannt. Ein Spiralbohrer nach DIN 345 besitzt dagegen einen Morsekegelschaft für eine passende Kegelaufnahme.
- Gleichbleibend runder Schaft: für ein Spannfutter vorgesehene Bauform, häufig im Zusammenhang mit DIN 338.
- Konischer Schaft mit flachem Endstück: Kegelschaftbohrer nach DIN 345 für eine Morsekegelaufnahme.
Aus einem Kegelschaft lässt sich nicht allein anhand eines Fotos zuverlässig die MK-Größe ableiten. Mehrere Größen sehen ähnlich aus, unterscheiden sich aber in ihren Maßen. Eine eingeprägte Größenangabe, die Maschinendokumentation oder eine fachgerechte Maßprüfung liefert die belastbarere Zuordnung.
So prüfst du, ob der Bohrer zur Maschine passt
- Lies die Morsekegelgröße am Bohrer ab oder bestimme sie anhand der maßgeblichen Abmessungen.
- Vergleiche sie mit der Kennzeichnung der Maschinenspindel, Pinole oder eingesetzten Reduzierhülse.
- Prüfe Kegel und Innenaufnahme auf Späne, Rost, Grate und sichtbare Druckstellen.
- Setze den sauberen Bohrer in die passende Aufnahme ein. Er muss flächig sitzen und darf nicht seitlich wackeln.
- Verwende zum Lösen den vorgesehenen Austreibkeil beziehungsweise den von der Maschine vorgesehenen Auswurfmechanismus.
Ist die Kegelgröße kleiner als die Maschinenaufnahme, kann eine passende Reduzierhülse vorgesehen sein. Bei einer zu großen Kegelgröße hilft eine solche Hülse nicht. Ein gewöhnliches Bohrfutter ist ebenfalls kein beliebiger Ersatz: Es benötigt selbst eine zur Maschine passende Aufnahme und muss für die auftretenden Belastungen ausgelegt sein.
Ein Morsekegel darf nicht benutzt werden, wenn er nur punktuell trägt, sichtbar beschädigt ist oder trotz passender Nenngröße nicht sicher sitzt. In diesem Fall sollten Bohrer, Hülse und Spindelaufnahme getrennt geprüft werden. Die Kennzeichnung DIN 345 erklärt die Bauform des Bohrers; ob die Verbindung sicher funktioniert, entscheidet der tatsächliche Zustand aller Kontaktflächen.
Der Morsekegel muss trocken und unbeschädigt sitzen
Die Haltekraft eines Morsekegels setzt saubere, weitgehend trockene Kontaktflächen voraus. Öl, Fett oder anhaftende Kühlschmierstoffreste verringern die Reibung zwischen Bohrerschaft und Aufnahme. Der Bohrer kann dann trotz passender MK-Größe durchrutschen, sich lösen oder die Kegelflächen durch Bewegungen unter Last beschädigen.
Loser Schmutz lässt sich mit einem sauberen, fusselfreien Tuch entfernen. Tiefe Riefen, Rostnarben, Grate oder eingedrückte Stellen sollten nicht durch Schleifen oder kräftiges Einschlagen des Bohrers ausgeglichen werden: Schon kleine Veränderungen können den flächigen Sitz beeinträchtigen. Sitzt ein sauberer, passender Morsekegel nicht sicher, ist die Aufnahme fachgerecht zu prüfen.
Keine Gewalt beim Lösen: Ein fest sitzender Kegelschaft wird über den vorgesehenen Austreibschlitz, einen Austreibkeil oder den Auswurfmechanismus der Maschine gelöst. Schläge auf Schneiden, Spannuten oder den Austreiblappen können Bohrer und Spindelaufnahme beschädigen.