Die Kennzeichnungen BIa, BIb und BIIa ordnen keramische Fliesen nach zwei Merkmalen ein: Der Buchstabe B bezeichnet eine trockengepresste Herstellung, während die römische Ziffer mit dem nachgestellten Buchstaben den Bereich der Wasseraufnahme angibt. BIa nimmt höchstens 0,5 Masseprozent Wasser auf, BIb mehr als 0,5 bis höchstens 3 Prozent und BIIa mehr als 3 bis höchstens 6 Prozent.
Die Codierung ist damit eine technische Klassifizierung und keine vollständige Qualitätsnote. Sie sagt weder allein etwas über Rutschhemmung und Abrieb noch über die Eignung für einen bestimmten Außenbereich aus.
So werden die Bestandteile der Kennzeichnung gelesen
Die Buchstaben und Ziffern folgen der Klassifizierung keramischer Fliesen nach DIN EN 14411 beziehungsweise ISO 13006. Jeder Bestandteil hat eine eigene Aufgabe:
- B steht für trockengepresste Fliesen. Dabei wird eine keramische Masse in Formen gepresst und anschließend gebrannt.
- I kennzeichnet Fliesen mit niedriger Wasseraufnahme.
- II bezeichnet den nächsthöheren Aufnahmebereich.
- a grenzt innerhalb einer Gruppe den niedrigeren Teilbereich ab. Bei BI wird zwischen BIa und BIb unterschieden; bei BII zwischen BIIa und BIIb.
Alle drei hier behandelten Klassen beginnen mit B und gehören somit zum gleichen Herstellungsverfahren. Der maßgebliche Unterschied liegt in der Wasseraufnahme. Ein A an erster Stelle hätte eine andere Bedeutung: Es kennzeichnet stranggepresste statt trockengepresste Fliesen.
BIa, BIb und BIIa im direkten Vergleich
- BIa: Wasseraufnahme E von höchstens 0,5 Masseprozent. In diese Gruppe fällt typischerweise Feinsteinzeug, sofern das Produkt die entsprechenden Grenzwerte erfüllt.
- BIb: Wasseraufnahme E von mehr als 0,5 bis höchstens 3 Masseprozent. Diese Gruppe umfasst dicht gebrannte, trockengepresste keramische Fliesen.
- BIIa: Wasseraufnahme E von mehr als 3 bis höchstens 6 Masseprozent. Das Material ist weiterhin trockengepresst, besitzt aber eine höhere offene Porosität als Fliesen der Gruppen BIa und BIb.
Der Wert E beschreibt das Verhältnis der aufgenommenen Wassermasse zur trockenen Masse des Prüfkörpers. Die Bestimmung erfolgt unter festgelegten Prüfbedingungen, wie sie für keramische Fliesen in EN ISO 10545-3 beschrieben sind. Eine Einstufung als BIa bedeutet daher nicht, dass die Fliese überhaupt kein Wasser aufnimmt, sondern dass der gemessene Wert die Grenze von 0,5 Prozent nicht überschreitet.
Was sich aus einer niedrigen Wasseraufnahme ableiten lässt
Eine niedrige Wasseraufnahme weist auf einen dichten keramischen Scherben hin. Das ist besonders relevant, wenn Fliesen Feuchtigkeit und Frost ausgesetzt sein sollen: Wasser in zugänglichen Poren kann sich beim Gefrieren ausdehnen und das Material belasten.
Aus der Bezeichnung BIa allein darf trotzdem keine uneingeschränkte Freigabe für Terrasse, Balkon oder andere Außenflächen abgeleitet werden. Für die Auswahl zählen zusätzlich die erklärte Frostbeständigkeit, die vorgesehene Nutzung, die Rutschhemmung, das Verlegesystem und ein funktionierender Wasserablauf. Auch eine dichte Fliese kann in einem ungeeigneten Aufbau Schäden erleiden.
Umgekehrt bedeutet BIIa nicht automatisch, dass eine Fliese minderwertig oder für jeden Boden ungeeignet ist. Die höhere Wasseraufnahme beschreibt zunächst den Scherben. Ob das Produkt an einer Wand, auf einem Boden oder in einem bestimmten Innenraum eingesetzt werden kann, muss aus den weiteren Leistungsangaben hervorgehen.
Die Kennzeichnung richtig am Produkt prüfen
BIa, BIb oder BIIa steht häufig auf der Verpackung, im technischen Datenblatt oder in der Leistungserklärung. Auf der sichtbaren Vorderseite einer einzelnen Fliese muss die Klasse nicht angegeben sein. Für eine belastbare Zuordnung sollte die vollständige Produktbezeichnung mit der Dokumentation übereinstimmen.
- Suche nach der Produktgruppe gemäß EN 14411 beziehungsweise ISO 13006.
- Prüfe, ob die Kennzeichnung tatsächlich mit B beginnt. Nur dann handelt es sich in diesem Schema um eine trockengepresste Fliese.
- Vergleiche die angegebene Wasseraufnahme E mit den Klassengrenzen: höchstens 0,5 Prozent für BIa, mehr als 0,5 bis höchstens 3 Prozent für BIb oder mehr als 3 bis höchstens 6 Prozent für BIIa.
- Beurteile die geplante Verwendung getrennt anhand der weiteren Angaben, etwa Frostbeständigkeit, Rutschhemmung, Bruchlast, Abriebverhalten und Herstellerfreigabe.
Steht im Datenblatt beispielsweise „E = 2 Prozent“ und wird zugleich das Trockenpressverfahren ausgewiesen, passt der Wert zur Gruppe BIb. Ein Wert von 4 Prozent gehört bei derselben Herstellungsart zur Gruppe BIIa. Die Buchstabengruppe und der Messbereich müssen gemeinsam betrachtet werden.
Warum die Klasse keine umfassende Qualitätsbewertung ist
Die drei Codes erfassen nur Herstellungsart und Wasseraufnahmegruppe. Zwei BIa-Fliesen können sich bei Oberflächenstruktur, Maßhaltigkeit, Bruchfestigkeit, Fleckenbeständigkeit oder Rutschhemmung deutlich unterscheiden. Auch glasiert und unglasiert ist keine Frage, die sich allein aus BIa, BIb oder BIIa beantworten lässt.
Für die Kaufentscheidung ist die Kennzeichnung deshalb ein Filter: BIa weist auf den dichtesten der genannten Aufnahmebereiche hin, BIb liegt darüber und BIIa nochmals höher. Die endgültige Eignung ergibt sich erst aus der Kombination dieser Klasse mit den für den vorgesehenen Einsatz ausgewiesenen Produkteigenschaften.
Wie der Wasseraufnahmewert E entsteht
Die Wasseraufnahme wird als prozentuale Massenzunahme eines Prüfkörpers nach einer festgelegten Wasseraufnahmeprüfung berechnet. Vereinfacht lautet die Formel: E = ((Masse nach der Prüfung − Trockenmasse) ÷ Trockenmasse) × 100.
Wie eng die Klassen abgegrenzt sind, zeigt ein Rechenbeispiel: Wiegt ein trockener Prüfkörper 1.000 Gramm und nach der Prüfung 1.005 Gramm, beträgt E 0,5 Prozent. Bei trockengepresster Herstellung liegt er damit noch in BIa. Bei 1.006 Gramm wären es 0,6 Prozent; die Einordnung läge dann im Bereich BIb.
Der Wert bezieht sich auf die geprüfte keramische Masse und nicht darauf, wie viel Wasser eine verlegte Fläche im Alltag zeitweise aufnimmt oder zurückhält. Fugen, Kleber, Untergrund, Gefälle und Entwässerung werden durch die Kennzeichnung nicht bewertet.