Auffanggurt benutzen – so ist das Piktogramm zu verstehen

Lesedauer: 6 Min
Aktualisiert: 18. März 2026 06:28

Das Piktogramm mit einer Person im Gurt weist darauf hin, dass ein Auffanggurt als persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz zwingend getragen werden muss. Dieses Sicherheitszeichen bedeutet: Ohne korrekt angelegten Auffanggurt darf der gekennzeichnete Bereich nicht betreten oder die Tätigkeit nicht ausgeführt werden.

Das Symbol findet sich vor allem auf Baustellen, an Gerüsten, Hubarbeitsbühnen, Dächern, Kränen und in Industrieanlagen mit Absturzgefahr. Sie sollten beim Anblick des Zeichens sofort prüfen, ob ein passender Auffanggurt, eine geeignete Anschlageinrichtung und eine geeignete Verbindungseinrichtung (z. B. Falldämpfer, Verbindungsmittel) verfügbar und ordnungsgemäß einsatzbereit sind.

Bedeutung des Piktogramms

Das Zeichen gehört zu den Gebotszeichen der Arbeitssicherheit und legt eine Pflicht fest. Es signalisiert: Absturzsicherung per Auffanggurt ist vorgeschriftlich angeordnet, typischerweise nach Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften.

Der dargestellte Gurt steht für eine vollständige Körperschutzausrüstung, nicht nur für einen einfachen Gurt um die Taille. Gemeint ist ein zertifizierter Auffanggurt mit Schulter- und Beinriemen, der die auftretenden Kräfte bei einem Sturz auf den Körper verteilt.

Wo das Symbol typischerweise vorkommt

Am häufigsten finden Sie das Piktogramm an Arbeitsplätzen mit Absturzkanten ab etwa zwei Metern Höhe oder mehr. Dazu gehören unter anderem:

  • Gerüste, Dachflächen, Hochregale, Silos, Kessel und Behälteröffnungen
  • Hubarbeitsbühnen, Arbeitskörbe und Steiger
  • Brückenbereiche, Schächte und Wartungspodeste
  • Windenergieanlagen und industrielle Anlagen mit Leitern und Steigschutzeinrichtungen

In diesen Bereichen dient das Zeichen als Erinnerung und als rechtlich relevanter Hinweis, dass Arbeiten nur mit geeigneter persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz zulässig sind.

Was unmittelbar zu tun ist

Wer einen Bereich mit diesem Zeichen betritt, sollte Schritt für Schritt vorgehen: Erstens geeigneten Auffanggurt auswählen und Sichtprüfung auf Beschädigungen durchführen. Zweitens Gurt vollständig anlegen, Gurte straff einstellen und Herstellerhinweise beachten. Drittens den Gurt nur an zugelassenen Anschlagpunkten oder Systemen befestigen, die für Personenfang zugelassen sind.

Ist keine passende Ausrüstung vorhanden oder bestehen Zweifel an Tragfähigkeit oder Zustand, darf der markierte Bereich nicht genutzt werden. In diesem Fall ist die Arbeit zu unterbrechen und die zuständige Aufsicht, Fachkraft für Arbeitssicherheit oder der Arbeitgeber zu informieren.

Risikoeinstufung und Folgen bei Missachtung

Das Zeichen kennzeichnet ein hohes Risiko, da ein Absturz lebensgefährliche oder tödliche Verletzungen verursachen kann. Daher handelt es sich nicht um eine Empfehlung, sondern um eine verbindliche Anweisung.

Wer den Auffanggurt nicht trägt, obwohl das Zeichen eindeutig sichtbar ist, verstößt in der Regel gegen Arbeitsschutzvorschriften und interne Betriebsanweisungen. Im Schadensfall drohen schwere gesundheitliche Folgen sowie haftungs- und versicherungsrechtliche Probleme.

Verwechslungsgefahr mit ähnlichen Symbolen

Mitunter wird das Gebotszeichen für den Auffanggurt mit Symbolen für Höhensicherungsgeräte, Steigschutz oder Anseilschutz verwechselt. Entscheidend ist die dargestellte menschliche Figur mit deutlich sichtbarem Gurtverlauf um Schultern und Beine.

Ein Piktogramm, das nur einen Haken oder eine Öse zeigt, weist eher auf Anschlagpunkte oder Anschlageinrichtungen hin. Das hier beschriebene Zeichen fordert dagegen ausdrücklich das Tragen eines vollständigen Auffangsystems am Körper.

Praxisbeispiele aus dem Arbeitsalltag

Praxisbeispiel 1: Auf einer Dachbaustelle ist der Zugang über eine Leiter mit dem Symbol gekennzeichnet. Dachdecker wählen vor dem Aufstieg ihren Auffanggurt, legen ihn unten an, prüfen die Nähte und Karabiner und haken sich oben in das vorhandene Seilsicherungssystem ein.

Praxisbeispiel 2: Bei einer Wartung mit einer Hubarbeitsbühne befindet sich das Piktogramm direkt am Einstieg. Vor Fahrtbeginn legt der Bediener den Gurt an, verbindet sich mit dem fest montierten Anschlagpunkt am Arbeitskorb und bewegt die Bühne erst dann an den Einsatzort.

Praxisbeispiel 3: In einer Industrieanlage ist der Zugang zu einem offenen Podest in größerer Höhe beschildert. Das Wartungsteam rüstet sich mit geprüften Auffanggurten und Verbindungsmitteln aus, sichert sich an den vorgesehenen Anschlagpunkten und beginnt erst danach mit der eigentlichen Instandhaltungsarbeit.

Häufige Fragen zum Gebotsschild mit Auffanggurt

Was bedeutet das Piktogramm zur Nutzung eines Auffanggurtes genau?

Das Symbol fordert dazu auf, einen geeigneten Auffanggurt anzulegen und an ein zugelassenes Anschlagmittel einzuhängen. Es handelt sich um ein Gebotszeichen, das bei Arbeitshöhen mit Absturzgefahr verbindliche Wirkung hat.

Ab welcher Höhe ist das Tragen eines Auffanggurtes Pflicht?

In Deutschland gilt ab einer Absturzhöhe von mehr als zwei Metern in der Regel die Pflicht zur Absturzsicherung, sofern kein kollektiver Schutz vorhanden ist. Branchen- oder objektspezifische Vorgaben, etwa auf Baustellen oder in Industrieanlagen, können noch strengere Grenzen festlegen.

Welcher Auffanggurt passt zu dem angezeigten Gebot?

Erforderlich ist ein zugelassener Auffanggurt nach EN 361, der für Auffangzwecke konzipiert ist und regelmäßig geprüft wird. Sitzgurte oder reine Haltegurte ohne Auffangfunktion erfüllen die Anforderung des Gebotsschildes nicht.

Muss der Auffanggurt zusätzlich an einem System befestigt sein?

Der Gurt schützt nur in Verbindung mit einem geprüften Anschlagpunkt und einem geeigneten Verbindungsmittel wie Falldämpfer oder Höhensicherungsgerät. Bloßes Tragen ohne ordnungsgemäße Einbindung in das System erfüllt das Gebot nicht und bietet kaum Schutz.

Wer kontrolliert, ob der Hinweis zum Auffanggurt beachtet wird?

In der Regel überwachen Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte und befugte Aufsichtsführende die Einhaltung der Vorgaben. Bei Kontrollen durch Berufsgenossenschaften oder Behörden kann die Nichtbeachtung des Zeichens zu Beanstandungen und Bußgeldern führen.

Wie oft muss ein Auffanggurt geprüft oder ausgetauscht werden?

Mindestens einmal jährlich ist eine fachkundige Prüfung nach den Herstellerangaben erforderlich, bei hoher Beanspruchung auch häufiger. Nach einem Sturz, sichtbaren Beschädigungen oder Überschreiten der Nutzungsdauer muss der Gurt sofort aus dem Verkehr genommen werden.

Darf das Symbol entfallen, wenn Geländer oder Netze vorhanden sind?

Besteht ein vollständiger kollektiver Absturzschutz, kann auf das Gebotsschild verzichtet werden, sofern die Gefährdungsbeurteilung dies zulässt. Sobald Arbeitsbereiche ohne lückenlosen Schutz betreten werden, ist der Hinweis auf den Auffanggurt wieder maßgeblich.

Wie werden Beschäftigte zum richtigen Umgang mit dem Auffanggurt geschult?

Unternehmen müssen praktische Unterweisungen anbieten, in denen Anlegen, Einstellen, Anschlagen und die Grenzen der Schutzausrüstung geübt werden. Dokumentierte Unterweisungen und wiederkehrende Trainings stärken das Sicherheitsbewusstsein und die Handlungssicherheit in Höhenarbeiten.

Welche Folgen drohen bei Missachtung des Gebotsschildes?

Neben dem hohen Risiko schwerer oder tödlicher Absturzunfälle drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen wie Abmahnungen und Bußgelder. Kommt es zu einem Schaden, können Versicherer Leistungen kürzen, wenn nachweislich gegen das Gebot verstoßen wurde.

Wie fügt sich das Piktogramm in die Gefährdungsbeurteilung ein?

Das Zeichen ist ein sichtbares Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung und verweist auf die Entscheidung für persönlichen Absturzschutz. Es ergänzt organisatorische Maßnahmen wie Zugangsbeschränkungen, Rettungskonzepte und Notfallpläne.

Spielt der Standort des Schildes eine Rolle für die Wirksamkeit?

Der Hinweis muss gut sichtbar am Zugang zum Gefahrenbereich und, wenn nötig, zusätzlich direkt an der Absturzkante angebracht werden. Nur ein klar erkennbarer Standort stellt sicher, dass Beschäftigte den Auffanggurt rechtzeitig anlegen und korrekt nutzen.

Fazit

Das Gebot zum Tragen eines Auffanggurtes ist ein zentraler Baustein im Absturzschutz und verdient im Alltag klare Beachtung. Wer das Piktogramm richtig interpretiert, den passenden Gurt benutzt und diesen fachgerecht einbindet, reduziert das Risiko schwerer Unfälle deutlich. Unternehmen sollten das Symbol gezielt in ihre Unterweisungen und Sicherheitskonzepte einbinden, damit Arbeiten in der Höhe planbar und sicher ablaufen.

Checkliste
  • Gerüste, Dachflächen, Hochregale, Silos, Kessel und Behälteröffnungen
  • Hubarbeitsbühnen, Arbeitskörbe und Steiger
  • Brückenbereiche, Schächte und Wartungspodeste
  • Windenergieanlagen und industrielle Anlagen mit Leitern und Steigschutzeinrichtungen

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Das Team hinter den Beiträgen

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Autor bei Zeichencheck.de

Jan Peters

Zeichen, Fehlercodes & Leuchtanzeigen

Ich beschäftige mich seit Jahren mit Zeichen, Symbolen, Anzeigen und Meldungen, die im Alltag plötzlich Fragen aufwerfen. Mich interessiert vor allem, wie man auch technische oder auf den ersten Blick unklare Hinweise schnell verständlich erklären kann.

Bei Zeichencheck.de schreibe ich vor allem über Fehlercodes, Leuchtanzeigen, Symbole und textbasierte Meldungen. Mein Ziel ist, dass du ohne langes Suchen sofort verstehst, was ein Zeichen bedeutet und wie du es einordnen kannst.

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Autorin bei Zeichencheck.de

Mira Hoffmann

Schilder, Kennzeichnungen & Prüfzeichen

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1 Kommentar zu „Auffanggurt benutzen – so ist das Piktogramm zu verstehen“

  1. Community-Frage zum Thema „Auffanggurt benutzen – so ist das Piktogramm zu verstehen“:
    Je nach Ausgangslage fallen die Erfahrungen hier oft ziemlich unterschiedlich aus – genau deshalb sind Vergleichswerte spannend.
    Gab es einen Punkt, an dem du deine erste Einschätzung geändert hast?

    Was würdest du bei der Einordnung oder Auswahl heute anders machen als beim ersten Mal?
    Wenn du einen guten Hinweis entdeckt hast, der anderen Zeit spart: Schreib ihn gern dazu.
    Je nach Ausgangslage fallen die Erfahrungen hier oft ziemlich unterschiedlich aus – genau deshalb sind Vergleichswerte spannend.

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