V-Naht im Schweißplan: Warum beide Kanten für den Einbrand vorbereitet werden

Lesedauer: 6 Min
Aktualisiert: 5. Oktober 2026 03:54
Transparenz: Bei der Erstellung dieses Beitrags kam generative KI zum Einsatz.

Das V-förmige Schweißsymbol kennzeichnet eine Stumpfnaht, bei der die einander zugewandten Werkstückkanten angeschrägt werden und gemeinsam eine V-förmige Fuge bilden. Diese Vorbereitung schafft Zugang bis in den Wurzelbereich und ermöglicht einen ausreichenden Einbrand über die vorgesehene Nahttiefe. Welche Winkel, Abstände und Maße gelten, muss jedoch aus den zusätzlichen Angaben der Schweißzeichnung oder der Schweißanweisung hervorgehen.

Was die V-Form im Schweißplan aussagt

Bei einer V-Naht treffen zwei vorbereitete Fugenflanken aufeinander. Im Querschnitt bilden sie den eingezeichneten Öffnungswinkel. Anders als bei einer halben V-Naht wird die Fuge nicht nur durch eine einzelne angeschrägte Werkstückkante erzeugt.

Das Grundsymbol beschreibt vor allem die Fugen- beziehungsweise Nahtart. Es legt nicht automatisch fest, dass vollständiger Einbrand erreicht wird, und ersetzt weder die Bemaßung noch die Vorgaben zum Schweißverfahren. Auch die sichtbare V-Form darf nicht mit der späteren Oberfläche der fertigen Schweißnaht verwechselt werden: Sie zeigt die Vorbereitung im Fügebereich.

Die Darstellung richtet sich in technischen Zeichnungen häufig nach den Regeln für Schweißnahtangaben, etwa nach ISO 2553. Für die richtige Zuordnung zur Pfeilseite oder Gegenseite ist das in der Zeichnung verwendete Darstellungssystem maßgeblich. Das V-Symbol allein sollte daher nie losgelöst von Bezugslinie, Pfeil und Legende gelesen werden.

Warum beide Kanten angeschrägt werden

Bei größeren Werkstückdicken würde eine unbearbeitete I-Fuge dem Lichtbogen oder einer anderen Wärmequelle nur begrenzten Zugang zur Wurzel geben. Die angeschrägten Kanten öffnen den Fügebereich. Dadurch lassen sich die Wurzel und die Fugenflanken kontrollierter erfassen und die Naht kann, abhängig von der Ausführung, in mehreren Lagen aufgebaut werden.

Die Vorbereitung erfüllt dabei drei Aufgaben:

  • Sie schafft Platz für den Brenner, die Elektrode oder den jeweils eingesetzten Prozess.
  • Sie erleichtert das Aufschmelzen der Fugenflanken bis zur geforderten Tiefe.
  • Sie schafft einen definierten Nahtquerschnitt, der reproduzierbar gefüllt werden kann.

Ein weiter Öffnungswinkel verbessert zwar den Zugang, vergrößert aber in der Regel auch das zu füllende Fugenvolumen. Ein zu enger Winkel kann den Zugang zur Wurzel erschweren und das Risiko unzureichend erfasster Flanken erhöhen. Der passende Winkel ist deshalb keine frei gewählte Standardgröße, sondern hängt unter anderem von Werkstoffdicke, Schweißprozess, Position und geforderter Nahtausführung ab.

Diese Angaben bestimmen die tatsächliche Kantenvorbereitung

Für die Fertigung reicht die Bezeichnung V-Naht allein nicht aus. Die folgenden Größen müssen aus der bemaßten Zeichnung, der Schweißanweisung oder den zugehörigen Fertigungsunterlagen übernommen werden:

  • Öffnungswinkel: der gesamte Winkel zwischen den beiden Fugenflanken.
  • Flankenwinkel: die Anschrägung einer einzelnen Kante; zwei gleich große Flankenwinkel können zusammen den Öffnungswinkel ergeben.
  • Wurzelspalt: der vorgesehene Abstand zwischen den Werkstücken an der Wurzel.
  • Stegmaß oder Wurzelfläche: der nicht angeschrägte Rest an jeder Kante.
  • Vorbereitungstiefe und Nahtmaß: die Maße, die festlegen, wie tief vorbereitet und welche Nahtgröße hergestellt werden soll.
  • Zusätzliche Ausführungsvorgaben: beispielsweise Gegenlage, Wurzelschutz, Nacharbeit der Wurzel oder eine festgelegte Lagenfolge.

Fehlt eines dieser Maße in der unmittelbaren Symbolangabe, kann es an anderer Stelle der Zeichnung, in einer Detailansicht oder in der zugehörigen Schweißanweisung stehen. Die Kanten sollten nicht nach einem vermeintlich typischen Winkel vorbereitet werden, solange diese Unterlagen nicht abgeglichen sind.

Vom Symbol zur vorbereiteten Fuge

Eine sichere Lesereihenfolge verhindert, dass eine einfache V-Naht mit einer Doppel-V-Naht oder eine Maßangabe mit einem bloßen Symbolbestandteil verwechselt wird:

Anleitung
1Ordne Pfeil und Bezugslinie der bezeichneten Fügestelle zu.
2Prüfe anhand der Zeichnungslegende beziehungsweise des verwendeten Darstellungssystems, auf welcher Seite die Naht liegt.
3Lies Öffnungswinkel, Wurzelspalt, Stegmaß und Vorbereitungstiefe aus der vollständigen Bemaßung ab.
4Prüfe, ob Zusatzsymbole eine Gegenlage, umlaufende Ausführung, Baustellenschweißung oder besondere Nahtoberfläche verlangen.
5Vergleiche die Angaben mit der gültigen Schweißanweisung, bevor die Kanten angefast und die Werkstücke geheftet werden.

  1. Ordne Pfeil und Bezugslinie der bezeichneten Fügestelle zu.
  2. Prüfe anhand der Zeichnungslegende beziehungsweise des verwendeten Darstellungssystems, auf welcher Seite die Naht liegt.
  3. Lies Öffnungswinkel, Wurzelspalt, Stegmaß und Vorbereitungstiefe aus der vollständigen Bemaßung ab.
  4. Prüfe, ob Zusatzsymbole eine Gegenlage, umlaufende Ausführung, Baustellenschweißung oder besondere Nahtoberfläche verlangen.
  5. Vergleiche die Angaben mit der gültigen Schweißanweisung, bevor die Kanten angefast und die Werkstücke geheftet werden.

Sind beide Kanten mit demselben Flankenwinkel vorgesehen, werden sie üblicherweise symmetrisch angeschrägt. Eine unsymmetrische Vorbereitung ist dennoch möglich, wenn sie ausdrücklich bemaßt ist. Ausschlaggebend ist nicht die optische Symmetrie des Grundsymbols, sondern die vollständige Fertigungsangabe.

Einbrand entsteht nicht allein durch die V-Fuge

Die V-förmige Vorbereitung verbessert den Zugang zum Wurzelbereich, garantiert aber keinen vollständigen Einbrand. Das Ergebnis wird ebenso durch den Schweißprozess, die Wärmeeinbringung, die Führung, die Schweißposition, den Wurzelspalt, das Stegmaß und die Passgenauigkeit beeinflusst.

Ist der Wurzelspalt kleiner als vorgesehen oder bleibt ein zu großer Steg stehen, kann die Wurzel trotz richtiger äußerer V-Form unzureichend erfasst werden. Bei einem zu großen Spalt oder ungeeigneten Parametern kann dagegen die Wurzel durchfallen beziehungsweise unkontrolliert durchschmelzen. Maßhaltige Vorbereitung und abgestimmte Schweißparameter gehören daher zusammen.

Ob vollständige Durchschweißung gefordert ist, muss ausdrücklich aus den technischen Unterlagen hervorgehen. Der Begriff Einbrand kann die Aufschmelztiefe in den Grundwerkstoff beschreiben; er ist nicht automatisch mit einer vollständig durchgeschweißten Verbindung gleichzusetzen.

V-Naht, Doppel-V-Naht und I-Naht auseinanderhalten

Bei der einfachen V-Naht werden die beiden einander zugewandten Kanten von einer Werkstückseite aus vorbereitet. Werden dieselben Werkstücke von beiden Oberflächen aus angeschrägt, entsteht eine Doppel-V-Fuge, deren Querschnitt an ein X erinnert. Sie darf nicht mit der Aussage verwechselt werden, dass bei einer einfachen V-Naht beide Fügekanten bearbeitet werden.

Eine I-Naht besitzt dagegen keine V-förmig angeschrägten Fugenflanken. Sie kann bei geeigneter Werkstückdicke und einem passenden Verfahren dennoch eine vorgesehene Durchschweißung ermöglichen. Welche Fugenform geeignet ist, wird über Konstruktion, Verfahren und Schweißanweisung festgelegt, nicht allein über die Werkstückdicke.

Die Fugenform muss auch nach dem Heften erhalten bleiben

Die Kantenvorbereitung ist erst dann wirksam, wenn die Fuge im gehefteten Zustand noch die vorgegebenen Maße einhält. Heftpunkte können den Wurzelspalt örtlich verengen, und ein Kantenversatz verschiebt die beiden Fugenflanken gegeneinander. Dadurch erreicht der Schweißprozess trotz korrekt angefaster Kanten nicht mehr beide Flanken gleichmäßig.

Vor dem Schweißen ist deshalb neben Winkel, Stegmaß und Spalt auch die Fluchtung der Werkstücke zu kontrollieren. Liegt eine Kante an der Wurzel deutlich zurück, kann die Naht außen ausreichend gefüllt aussehen, während im Inneren eine ungleichmäßige Anbindung oder ein nicht erfasster Bereich verbleibt. Die zulässigen Abweichungen ergeben sich aus der jeweiligen Fertigungsunterlage; ohne diese Angabe sollte kein eigener Grenzwert angenommen werden.

Auch Beschichtungen, Rost, Feuchtigkeit oder Rückstände im unmittelbaren Fugenbereich können die vorgesehene Nahtausführung beeinträchtigen. Die vorbereiteten Flanken und der Wurzelbereich müssen daher entsprechend den Vorgaben für Werkstoff und Schweißverfahren sauber und zugänglich sein.

Häufige Fragen zur V-Naht-Kennzeichnung

Müssen die beiden Flankenwinkel immer gleich sein?

Nein. Eine symmetrische V-Fuge ist verbreitet, doch unterschiedliche Flankenwinkel sind möglich, wenn Zugänglichkeit oder Konstruktion dies verlangen. Eine solche Abweichung muss eindeutig bemaßt sein; aus dem Grundsymbol allein lässt sie sich nicht sicher ableiten.

Kann eine V-Naht von beiden Seiten geschweißt werden?

Eine einfache V-Fuge wird von einer Seite vorbereitet, kann aber je nach Arbeitsanweisung zusätzliche Arbeiten an der Rückseite erhalten, etwa eine Gegenlage oder eine bearbeitete Wurzel. Zeigt die Zeichnung eine Fugenpräparation von beiden Werkstückoberflächen, handelt es sich dagegen um eine Doppel-V- beziehungsweise X-Fuge.

Was ist zu tun, wenn Winkel oder Wurzelspalt fehlen?

Die fehlenden Werte dürfen nicht aus der Symbolform geschätzt werden. Prüfe Detailansichten, Zeichnungslegende und die zugehörige Schweißanweisung. Bleibt die Vorgabe unklar, muss sie vor der Kantenbearbeitung mit der zuständigen Schweißaufsicht oder Konstruktion geklärt werden.

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Autor bei Zeichencheck.de

Jan Peters

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Ich beschäftige mich seit Jahren mit Zeichen, Symbolen, Anzeigen und Meldungen, die im Alltag plötzlich Fragen aufwerfen. Mich interessiert vor allem, wie man auch technische oder auf den ersten Blick unklare Hinweise schnell verständlich erklären kann.

Bei Zeichencheck.de schreibe ich vor allem über Fehlercodes, Leuchtanzeigen, Symbole und textbasierte Meldungen. Mein Ziel ist, dass du ohne langes Suchen sofort verstehst, was ein Zeichen bedeutet und wie du es einordnen kannst.

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Autorin bei Zeichencheck.de

Mira Hoffmann

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