Vier weiße PAPI-Lichter bedeuten, dass sich das Flugzeug deutlich oberhalb des vorgesehenen visuellen Anflugpfads befindet. Die Anzeige ist daher kein allgemeines Freigabe- oder Landelicht, sondern ein Richtungshinweis für den vertikalen Anflug: Der Blickwinkel vom Cockpit zur PAPI-Anlage ist zu steil. Piloten müssen die Anzeige zusammen mit Instrumenten, veröffentlichten Verfahren und den Anweisungen der Flugsicherung bewerten.
Wie die vier weißen Lichter entstehen
PAPI steht für Precision Approach Path Indicator, auf Deutsch Präzisionsanflug-Gleitweganzeiger. Die Anlage befindet sich gewöhnlich seitlich neben der Landebahn und besteht in der üblichen Ausführung aus vier nebeneinander angeordneten Leuchteinheiten. Jede Einheit kann aus Sicht des anfliegenden Piloten weiß oder rot erscheinen.
Die Farbe hängt vom vertikalen Betrachtungswinkel ab. Oberhalb des für eine Leuchteinheit festgelegten Übergangswinkels erscheint sie weiß, darunter rot. Weil die vier Einheiten auf leicht unterschiedliche Übergangswinkel eingestellt sind, entsteht eine abgestufte Anzeige der Fluglage gegenüber dem vorgesehenen visuellen Gleitweg.
- Zwei weiße und zwei rote Lichter: Das Flugzeug befindet sich ungefähr auf dem vorgesehenen Anflugpfad.
- Drei weiße und ein rotes Licht: Der Anflug liegt etwas zu hoch.
- Vier weiße Lichter: Der Anflug liegt deutlich zu hoch.
- Ein weißes und drei rote Lichter: Der Anflug liegt etwas zu niedrig.
- Vier rote Lichter: Der Anflug liegt deutlich zu niedrig.
Die Anzeige bezieht sich auf den Winkel zwischen der Position des Piloten und der PAPI-Anlage. Sie misst weder die absolute Flughöhe noch unmittelbar die Entfernung zur Landebahn. Dasselbe Flugzeug kann deshalb in größerer Entfernung eine andere PAPI-Anzeige sehen als einige Sekunden später, wenn sich Flugweg und Blickwinkel verändern.
Warum das Flugzeug oberhalb des PAPI-Pfads liegt
Vier weiße Lichter erscheinen, wenn die tatsächliche Flugbahn oberhalb des von der Anlage dargestellten Gleitwegs verläuft. PAPI verursacht diese Abweichung nicht, sondern macht sie sichtbar. Ein typischer Zusammenhang ist ein zu später Beginn des Sinkflugs oder das Abfangen des Endanflugs aus einer Position oberhalb des vorgesehenen Pfads.
Auch ein bewusst höher geflogener Abschnitt kann die Anzeige erklären, etwa wenn ein veröffentlichtes Anflugverfahren, eine Anweisung der Flugsicherung oder betriebliche Anforderungen zunächst eine bestimmte Höhe vorgeben. Erst wenn das Flugzeug den visuellen Pfad erreicht, kann die Anzeige schrittweise von vier weißen über drei weiße zu zwei weißen und zwei roten Lichtern wechseln.
Bei einem Instrumentenanflug müssen PAPI und die Cockpit-Anzeigen nicht in jedem Augenblick vollkommen deckungsgleich wirken. Der instrumentelle Gleitweg und der visuelle PAPI-Pfad beruhen auf unterschiedlichen technischen Systemen und Bezugspunkten. Außerdem sieht der Pilot die Anlage aus Augenhöhe, während für das Fahrwerk und die sichere Schwellenüberquerung weitere geometrische Größen eine Rolle spielen. Verbindlich sind die für den Flugplatz und das Luftfahrzeug geltenden Verfahren, nicht eine isolierte Farbaufnahme.
Die richtige Reaktion ist kein steiler Sturzflug
Eine Anzeige aus vier weißen Lichtern verlangt eine Bewertung des gesamten Anflugs. Sie bedeutet nicht, dass sofort mit einer abrupten oder übermäßig hohen Sinkrate auf den PAPI-Pfad zurückgekehrt werden soll. Ein aggressives Nach-unten-Korrigieren kann zu einem instabilen Anflug führen und später eine weitere starke Korrektur erforderlich machen.
Für die Entscheidung sind insbesondere diese Punkte maßgeblich:
- Stimmen Landebahn und PAPI-Anlage mit der vorgesehenen Landung überein?
- Passen Höhenmesser, Entfernung, Sinkrate und weitere Fluginstrumente zur erwarteten Anflugposition?
- Lässt sich der vorgesehene Pfad mit einer ruhigen, innerhalb der Betriebsgrenzen liegenden Korrektur erreichen?
- Erfüllt der Anflug anschließend die Stabilitätskriterien des jeweiligen Betriebsverfahrens?
Ist eine sichere Stabilisierung nicht möglich oder bestehen Zweifel an der Anzeige, ist ein Durchstarten die sichere Alternative. Die Entscheidung richtet sich nach dem jeweiligen Betriebshandbuch, den veröffentlichten Flugplatzinformationen und den geltenden Verfahren.
Wann vier weiße Lichter nicht einfach „zu hoch“ beweisen
Eine kurz sichtbare weiße Viereranzeige ist nur belastbar, wenn tatsächlich die PAPI-Einheiten der benutzten Landebahn beobachtet werden. Bei Nacht können andere Befeuerungen, Lichtreflexe oder eine Anlage an einer parallelen Landebahn verwechselt werden. Entscheidend sind die Lage der Lichter neben der Bahn, ihre waagerechte Anordnung und der Bezug zur richtigen Landebahn.
Auch der nutzbare Sichtbereich der Anlage ist begrenzt. Außerhalb des vorgesehenen Anflugsektors oder bei eingeschränkter Sicht darf aus der erkannten Farbe keine genaue Winkelabweichung abgeleitet werden. Ungewöhnliche oder widersprüchliche Anzeigen werden deshalb mit den Fluginstrumenten und den veröffentlichten Angaben zum Flugplatz abgeglichen.
Bei einem möglichen technischen Fehler kann die PAPI-Anzeige ebenfalls unzuverlässig sein. Ein untypisches Lichtbild, ausgefallene Einheiten oder ein deutlicher Widerspruch zu den übrigen Anfluginformationen sind Gründe, sich nicht allein auf das Signal zu stützen. Hinweise zur Verfügbarkeit und zu Einschränkungen einer Anlage finden sich in den betrieblichen Flugplatzinformationen beziehungsweise werden durch die Flugsicherung übermittelt.
Der entscheidende Unterschied zur normalen PAPI-Anzeige
Die normale Zielanzeige besteht aus zwei weißen und zwei roten Leuchteinheiten. Viermal Weiß zeigt dagegen nicht nur eine kleine Abweichung, sondern die höchste Stufe der PAPI-Anzeige für einen zu hohen Blickwinkel. Wie viele Meter das Flugzeug über einem idealisierten Pfad liegt, lässt sich daraus allein nicht bestimmen: Die vertikale Abweichung wächst mit der Entfernung zur Anlage und hängt außerdem von deren Einstellung ab.
Damit lautet die sichere Einordnung: Vier weiße PAPI-Lichter zeigen einen deutlich zu hohen visuellen Anflugpfad an. Ob eine sanfte Korrektur noch möglich ist oder der Anflug abgebrochen werden muss, ergibt sich erst aus Entfernung, Sinkrate, Instrumentenanzeige und den vorgeschriebenen Stabilitätsgrenzen.
PAPI zeigt keine seitliche Ausrichtung zur Landebahn
Auch bei einer Zielanzeige von zwei weißen und zwei roten Lichtern wäre damit nur der vertikale Anflugpfad beurteilt. PAPI gibt keine Führung darüber, ob das Flugzeug seitlich korrekt auf die Landebahn ausgerichtet ist. Ein Flugzeug kann den passenden PAPI-Winkel sehen und dennoch nicht auf der verlängerten Mittellinie der vorgesehenen Landebahn liegen.
Vier weiße Lichter sollten deshalb nie losgelöst von der seitlichen Navigation betrachtet werden. Bei einem Sichtanflug müssen Landebahnausrichtung, Anflugachse und weitere verfügbare Orientierungshilfen ebenfalls stimmen. Eine günstige Farbkombination ersetzt weder die Navigation noch die Einhaltung eines veröffentlichten Anflugverfahrens.
Augenhöhe und Überquerung der Schwelle sind verschiedene Bezugspunkte
Die PAPI-Anzeige wird aus der Augenposition im Cockpit wahrgenommen. Für die Landung ist jedoch zusätzlich entscheidend, in welcher Höhe das Fahrwerk die Landebahnschwelle überquert. Zwischen Cockpit und Hauptfahrwerk liegt je nach Luftfahrzeug eine unterschiedlich große Distanz. Deshalb können Flugzeuge bei gleicher sichtbarer PAPI-Anzeige nicht zwingend dieselbe tatsächliche Höhe des Fahrwerks über der Schwelle haben.
Die Einstellungen der Anlage und die Verfahren für den jeweiligen Flugplatz berücksichtigen solche geometrischen Zusammenhänge. Daraus folgt zugleich: Aus vier weißen Lichtern lässt sich weder eine bestimmte Höhe über Grund noch eine konkrete Meterabweichung ableiten. Die Anzeige beschreibt ausschließlich die Lage des Cockpits zum vorgesehenen visuellen Anflugwinkel.